Special Muttertag SPECIAL

Wir brauchen Kinder, damit wir liebevoller miteinander umgehen

von veronika krull | Rettenberg 'Wir brauchen mehr Kinder.' Darin ist sich Irene Holzner-Raible mit den Politikern einig. Eine Steigerung der Geburtenzahlen ist aber nicht nur für das Rentensystem wichtig, meint die 49-jährige freiberufliche Hebamme aus Rettenberg. 'Wir brauchen mehr Kinder, damit wir liebevoller miteinander umgehen.' Denn sie lehren die Erwachsenen, von ihrer Ichbezogenheit Abstand zu nehmen. Es sei erstaunlich, so Holzner-Raible, wie sehr sich Paare mit dem ersten Kind veränderten: Plötzlich rückten Themen wie Umwelt oder Ernährung in den Mittelpunkt.

Die Rettenbergerin, gebürtig aus Tübingen, spricht nicht nur aus der Erfahrung ihres Berufes, sondern auch als Mutter von drei Buben. Sie hält die Mütterlichkeit für eine sehr wichtige seelische Qualität in einer Gesellschaft. Wobei die Mütterlichkeit nicht abhängig sein müsse von eigenen Kindern und auch nicht auf Frauen beschränkt, betont sie. Es gebe auch Männer, die mütterlich sind. Die Mutterschaft bezeichnet sie für das Frausein als 'Tüpfelchen auf dem i' und die Geburt als eindrucksvollstes Erlebnis. 'Die Männer', schmunzelt sie, 'müssen klettern und Berge besteigen. Wir haben unseren Mount Everest in der Geburt.'

Mutter sein: Ein Beruf ohne Anerkennung

Als großes Problem sieht sie aber die schwierige Stellung der Mutter in der Gesellschaft: 'Muttersein ist ein Beruf ohne Anerkennung.' Und wer als Mutter Kinder und Beruf unter einen Hut bringen wolle, sei ebenfalls benachteiligt. Die ersten zwei, drei Jahre, meint die Hebamme, sollten die Mütter - oder auch die Väter - bei dem Nachwuchs bleiben. Wenn eine Frau danach wieder in den Beruf einsteigen wolle, habe sie oft keine Chance. Früher, sagt sie, sei Erziehungsarbeit auf mehrere Schultern verteilt worden - durch Großmütter oder Tanten, die im Haus oder in der Nähe lebten. Heute müssten diese Netze künstlich erstellt werden. 'Wir sind als soziale Wesen geschaffen worden, früher, um zu überleben, heute, um seelisch zu überleben!' Den Muttertag, der heuer laut Kalendarium zweimal gefeiert werden kann, betrachtet Irene Holzner-Raible eher kritisch. Sie könne sich gut erinnern, dass in ihrer Kindheit oftmals der Haussegen schief hing, wenn der Vater oder auch sie und ihre Geschwister den Muttertag vergessen hatten. Sie wolle an ihre Kinder keine Erwartungen stellen. Obwohl sie sich immer gefreut habe, wenn ihre Buben aus Schule oder Kindergarten kleine Bastelarbeiten mitbrachten. Heute ist sie zufrieden, wenn einer ihrer erwachsenen Söhne anruft.

Selbst wissen, wie's geht, um bei Geburt helfen zu können

Warum sie Hebamme geworden ist? Irene Holzner-Raible lächelt: Schon in ihrer Ausbildung zur Arzthelferin habe sie das 'Werden vom Kind' und der Hebammenberuf fasziniert. Doch sie fragte sich: Wie kann ich eine Frau bei der Geburt betreuen, wenn ich selber nicht weiß, wie’s geht? Nach der Geburt des zweiten Sohnes habe sie aber den Schritt gewagt und die dreijährige Ausbildung absolviert. Rund 350 Kindern habe sie seither auf dem Weg in die Welt verholfen. Viele Dankschreiben und Babyfotos habe sie erhalten, häufig auch Einladungen zur Hochzeit oder zur Taufe. Eine Mutter habe ihr einmal nach der dritten Geburtshilfe geschrieben, sie sei doch ein Teil der Familie. Dennoch, sagt Holzner-Raible, habe sie die Einladungen nicht angenommen: 'Sonst wäre ich ja immer unterwegs gewesen.'

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