Betzigau
Windräder wie eine Hautkrankheit?

Können Windkraftanlagen schön sein - oder sind sie die «Neurodermitis des Landes», also eine Hautkrankheit? Für die meisten Redner und Referenten bei einem Informationsabend der Initiative Landschaftsschutz Kempter Wald und Allgäu (Ilka) war die Antwort klar: Windräder können schön sein, aber nicht an jedem Ort und schon gar nicht in einer schützenswerten Landschaft wie dem Allgäu.

Gegründet wurde die Bürgerinitiative nach den Worten ihres Vorsitzenden Dr. Wilfried Haesen, um der «Vernunft eine Bahn zu brechen, nicht um Krieg gegen erneuerbare Energien zu führen». Grundlage bildet die sogenannte Peesa-Studie des Allgäuer Überlandwerks, die im nördlichen Oberallgäu 143 Standorte für Windräder zur Stromgewinnung für geeignet hält. Den Standpunkt von Ilka fasst Haesen so zusammen: «Windkraft ist sinnvoll, aber nicht an jedem Fleck und insbesondere nicht im Allgäu».

Zwei Themenkreise wurden bei der Veranstaltung im Bürgerzentrum vor gut 50 Besuchern durch Experten beleuchtet:

l Landschaftsschutz: Was die Allgäuer Landschaft schützenswert macht, beschrieb der Landschaftsarchitekt Professor Dr. Werner Nohl von der TU München. An ästhetischen Kriterien zum Schutz der Landschaft nannte er unter anderem, dass die Sinne positiv berührt werden, ein heimatliches, friedliches Zusammenleben symbolisiert werde, Vielfalt, Freiheit und bäuerliches Leben transportiert werden. Je mehr Menschen solche subjektiven Erfahrungen teilten, desto höher sei die ästhetische Qualität, der Erholungswert und das Schützenswerte einer Landschaft. Windräder griffen gravierend in das Landschaftsbild ein.

l Rechtliche Möglichkeiten: Wie Gemeinden mit Bauanträgen für Windkraftanlagen umgehen können, umriss der Verwaltungsrechtler und Rechtsanwalt Armin Brauns. Einerseits seien die Anlagen im Außenbereich privilegierte Vorhaben, weil diese Form der Energiegewinnung politisch erwünscht sei. Nach dem Naturschutz aber dürfe die natürliche Eigenart der Landschaft nicht verunstaltet werden. Die Gemeinden müssten Anträge prüfen, eine Ablehnung müsse rechtlich stichhaltig begründet werden. Auch gebe es die Möglichkeit, durch eine Bauleitplanung Vorrang- und Vorbehaltsgebiete auszuweisen. Alle Beteiligten, auch die Nachbarn, hätten die Möglichkeit der Klage.

In der Diskussion wurden viele Stimmen gegen Windkraftanlagen im Allgäu laut, gerade auch im Hinblick auf den Tourismus als Wirtschaftsgrundlage auch für spätere Generationen. Der Anteil der Windkraft am gesamten Energieverbrauch sei mit 1,1 Prozent viel zu gering, um die Verschandelung der Landschaft zu rechtfertigen.

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