Abschuss
Wildschweine bleiben nun dauerhaft im Ostallgäu

Niedlich sehen sie ja aus, die Frischlinge in ihren gestreiften 'Schlafanzügen'. Mit dem Reiz des Netten ist es jedoch vorbei, wenn die Wildschweine erst einmal groß sind und zur Nahrungssuche die Weiden regelrecht umpflügen. Dann wird der Ruf des Landwirts nach dem Waidmann ganz schnell laut. 'Ja, wir haben viel mit Wildschweinen zu tun', bestätigt der Vorsitzende der Jägervereinigung Marktoberdorf, Alois Altmann, und verweist auf die Abschusszahl.

Die liegt in diesem Jahr schon jetzt über der des gesamten Vorjahres – ist aber noch weit vom Spitzenwert von 2004/05 entfernt.

Trotzdem: Die Zahl der Tiere steige, ist sich Altmann sicher. Ein Ende sei nicht absehbar. Denn natürliche Feinde hat das Schwarzwild nicht.

Weil im Ostallgäu keine größeren Mischwälder stehen, in denen die Tiere normalerweise Verzehrbares finden, wühlten sie die Weiden um oder suchten Maisfelder auf. Und je mehr Mais steht, umso einfacher sei die Futtersuche.

Bisher habe es sich im Ostallgäu meist um durchziehende Wildschweine gehandelt. So wie neulich in Lengenwang, als zu früher Morgenstunde gleich acht Tiere über die Straße trotteten.

Zwar versuchte der alarmierte Jäger sie aufzuspüren – jedoch vergeblich.

Vor Kurzem stellten die Jäger allerdings fest, dass eine Bache mit ihren Jungen den Sulzschneider Forst zu ihrem festen Revier auserkoren hat. Mit anderen Worten: Die Wildschweine werden heimisch.

Seit etwa zwölf Jahren komme Schwarzwild im Ostallgäu wieder 'in relevanter, wenn auch im Vergleich zu anderen, nördlichen Landkreisen geringer Zahl vor', sagt auch Ralf Kinkel vom Landratsamt.

Schwerpunkte seien die Reviere um größere Waldgebiete, in die sich die Tiere zurückziehen können. Von den 32 erlegten Sauen dieses Jahr stammen zwölf aus dem nördlichen, sieben aus dem mittleren und 13 aus dem südlichen Landkreis.

Das führt Kinkel zur Annahme: 'Der zunehmende Maisanbau unterstützt die Verbreitung, ist aber nicht Voraussetzung.'

Die Jäger nähmen das Schwarzwild regelmäßig ins Visier, sagt Altmann. Mal mit mehr, oft mit weniger Erfolg.

'Die Tiere sind schlau. Sauen zu jagen, ist schwer. Selbst bei hellem Mondlicht, wo wir sie gut sehen könnten, bleiben sie im Schatten. Da kommt der Urinstinkt der Waldtiere wieder durch.'

Drückjagd im Spätherbst

'Im Spätherbst unternehmen wir eine Drückjagd mit speziell ausgebildeten Hunden, die nur auf Sauen reagieren', kündigt Altmann an. Dies sei das Ergebnis eines gemeinsamen Treffens mit Hegeringsleitern, Vertretern der Jagdgenossenschaften und Jagdpächtern der Gebiete Roßhaupten, Seeg, Lengenwang, Sulzschneid, Steinbach und Rieder gemeinsam mit Berufsjäger Wolfgang Schweiger.

Die Gruppe hatte sich vor Kurzem mit der Problematik beschäftigt.

Da in den meisten Fällen – je nach Vertrag – der Jagdpächter für Schäden haften muss, 'überlegen einige, ob sie die Pacht verlängern'.

Denn aus dem Verkauf des Schweines ließen sich die Kosten nicht ausgleichen, weil die meisten Tiere nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl noch derart radioaktiv belastet seien, dass ihr Fleisch nicht zum Verzehr geeignet ist.

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