Oberallgäu / Sonthofen
Wild im Visier der Wissenschaftler

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Rothirsch, Gäms, Reh und Steinbock befinden sich bis zum Jahr 2012 im Oberallgäu gezielt im Visier. Unblutig ist dieser Ansitz zunächst. Als Bestandteil eines Schalenwild-Projekts der Technischen Universität (TU) München wird untersucht, ob die Jagd, die Forstbehörden und die privaten Waldbesitzer umdenken müssen, damit der «Umbau» des eintönigen Bergwalds hin zu einem vor Lawinen wie Muren schützenden Wall der Siedlungen im Tal gelingt. Gestern ist das mit 320000 Euro bezifferte und vom Landwirtschaftsministerium finanzierte Projekt in Sonthofen vorgestellt worden. Gewonnen wurde dafür eine Koryphäe, der österreichische Wildbiologe Professor Dr. Wolfgang Schröder.

Das Projekt, bei dem die Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen mit am Tisch sitzt, bindet im Zusammenhang mit der begonnenen Bergwaldoffensive Allgäu alle Interessengruppen ein. Und zwar als «Team im magischen Dreieck Wald-Wild-Mensch», wie es sich Dr. Ulrich Sauter vom Amt für Landwirtschaft und Forsten erhofft. Sauter: «Wir wollen keine Konfrontation». Erich Erbgraf von Waldburg-Zeil als Vorsitzender der Hegegemeinschaft versprach, dass sich die Jäger «mit aller Kraft dafür einbringen, dass die Probleme im Bergwald gelöst werden». Anders als vor 20 Jahren, als der promovierte Wildbiologe Schröder schon einmal eine Schalenwild-Planung für das Oberallgäu vorgelegt hatte, würden diesmal alle Betroffenen an einem runden Tisch versammelt.

Der Professor, der nach einer Analyse der bestehenden Verhältnisse bereits 2010 erste Maßnahmen vorschlagen will, versteht sich als Unternehmensberater und Coach. Obwohl es nach übereinstimmender Einschätzung aller Beteiligten gelungen ist, in den vergangenen Jahren das Wild nicht gegen den Wald auszustechen, wurden bei der Vorstellung des Schalenwild-Projekts unterschiedliche Auffassungen nicht unter den Teppich gekehrt. Johann Jordan als Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu mit ihren 2000 privaten Waldbesitzern vertrat die Ansicht, dass überhöhte Wildbestände reduziert werden müssten und danach die Wilddichte waldverträglich zu sein habe. Hingegen rechtfertigte die Jägerschaft den Erhalt des Rotwilds im Oberallgäu, das auch aus touristischen Gründen nicht verdrängt werden dürfe.

Professor Schröder versagte es sich, bereits zum Projektstart Ziele seines Gutachtens zu beschreiben. So könne man nicht sagen, ob zukünftig mehr Tiere abgeschossen werden müssen als es derzeit die Jagdbehörde vorgebe. Doch wies der Fachmann darauf hin, dass die Abschuss-Erfüllung durch die Jäger effektiver zu gestalten sei. Nicht ausreichend seien zudem die Grundlagen für die Abschuss-Quoten.

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