Wiggensbacherin gründete 2002 Internet-Beratungsstelle: Nun 380 Anfragen im Monat

Von Ärger bis Liebe: Online gibt es Hilfe Wiggensbach (mor). Gemeinsam mit einem Studienfreund entwickelte die Wiggensbacherin Petra Schopp vor etwa acht Jahren die Idee für eine virtuelle Beratungsstelle unter dem Namen 'Kids-Hotline'. Der Kollege ist inzwischen ausgestiegen, doch der virtuelle Draht zu den Jugendlichen ist geblieben - und Petra Schopp auch. Seit 2002 fungiert das Beratungsangebot unter der Trägerschaft des Münchner Vereins 'Kinderschutz und Mutterschutz', das Projekt wird von der Universität Bielefeld wissenschaftlich betreut. Staatlich unterstützt wird die virtuelle Anlaufstelle für Jugendliche aber nicht.

Rund 25 Themen und geschlechtsspezifische Foren werden in der Kids-Hotline angeboten, bei der über 15 000 User registriert sind. 'Schwerpunktthemen sind der sexuelle Gewaltbereich bei Buben und Mädchen, dicht gefolgt von Autoaggressionen (Selbstverletzungen) und Essstörungen', berichtet die gelernte Kinderpflegerin, Erzieherin, Sozialpädagogin und Supervisorin. Liebeskummer, Pubertät, Ärger in der Familie, Stress mit der Schule - auch dazu gibt es Foren.

'Das Internet als Beratungsstelle gewährt hier einfach noch mehr Anonymität und macht es so leichter, über das Erlebte zu sprechen und Antworten zu suchen', so die 30-jährige Wiggensbacherin. Rund 380 neue Anfragen im deutschsprachigen Raum kommen monatlich hinzu.

An die 90 ehrenamtliche Berater sind für die Sorgen und Nöte der 14- bis 21-Jährigen im wahrsten Sinne des Wortes 'abrufbereit' - an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr. Darunter sind auch zwei Jugendliche aus Waltenhofen und Marktoberdorf. Sie beraten die Ratsuchenden sozusagen auf Augenhöhe. 'Peer-to-Peer-Beratung' wird das genannt. 'Die beiden sind verflixt schnell und reagieren auf Anfragen am Nachmittag schon mal innerhalb von zehn Minuten', freut sich Petra Schopp über die geschulten Mitarbeiter. Ansonsten gilt die Devise: Eine Antwort innerhalb von 24 Stunden ist Standard. Die meisten Anfragen kommen von 16- bis 18-Jährigen.

Sicherheit ist ein wichtiger Faktor auf dieser 'virtuellen Beratungsbühne'. Technisch und inhaltlich alles auf dem Laufenden zu halten, darum kümmert sich ein fünfköpfiges Büroteam. 'Einmal ist unser Server für einige Tage zusammengebrochen. Damals hatte ein Jugendsender über uns berichtet. Danach kamen so viele Anfragen auf einmal, dass nichts mehr ging', erinnert sich Petra Schopp. Sie ist die einzige Vollzeitkraft bei Kids-Hotline.

Nach Wissen der Wiggensbacherin, die für eine Spendenübergabe wieder kurz im Allgäu weilt, gibt es nur wenige Beratungsforen im Internet, die über so einen langen Zeitraum funktionieren. Diese Fähigkeit will sich Kids-Hotline zunutze machen und jetzt ergänzend ein Beratungsnetzwerk ausbauen.

Petra Schopp: 'Das Neue und Interessante an diesem Angebot ist nicht mehr die erfolgreiche Onlineberatung, sondern vielmehr das Konzept und die Technik, die im Hintergrund abläuft. Wir möchten unser technisches Know-How und vorhandenes Beratungsportal - bestehend aus Foren-Chat und Einzelberatung - anderen Beratungsstellen oder Anbietern von sozialen Dienstleistungen gegen einen Kostenbeitrag zur Verfügung stellen.' Denn schließlich, so argumentiert sie, müsse niemand das Rad neu erfinden. So laufen beispielsweise aktuell Verhandlungen für ein Schulnetzwerk Allgäu. 'Wenn das klappt, profitieren viele davon', ist sich die Oberallgäuerin sicher.

i Mehr zu der virtuellen Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche unter www.kids-hotline.de Mehr zu dem Konzept ist zu finden unter der Adresse

www.kh-netzwerk.de

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