Obergünzburg
Wiedersehen nach 40 Jahren

Es wurde ein ganz besonderes Wiedersehen. Im Sommer 1964 fand in Obergünzburg der erste deutsch-französische Jugendaustausch im Pfadfinderlager der Sankt Georg Pfadfinder statt. Der Obergünzburger Helmut Haggenmiller schloss dort Freundschaft mit Gerard Monchaux aus Calais. Nach einem letzten Besuch im Jahr 1969 verloren sie sich aus den Augen - bis Monchaux nun, 40 Jahre später, Haggenmiller zuhause an seinem 60. Geburtstag überraschte.

Haggenmiller hatte sich den katholischen St. Georgspfadfindern schon 1961 angeschlossen. Beim Jugendaustausch 1964 schlugen die Franzosen das Zelt direkt neben der Gruppe «Biber» der Obergünzburger auf - und aus anfänglichen Rivalitäten entstand im gemeinsamen Lagerleben rasch Kameradschaft. Gerard Monchaux war anschließend für eine Woche bei den Haggenmillers in Obergünzburg zu Gast.

Im Jahr darauf, nach einem gemeinsamen deutsch-französischen Pfadfinderlager in Angles du Tarn, wurde Helmut von Gerards Familie in Calais begrüßt: Fünf hübsche Schwestern standen neben den Eltern des Freundes vor dem Haus aufgereiht. Und von allen fand sich der sechzehnjährige Helmut umarmt und «abgebusselt». Solch ein Verhalten erschien einem Allgäuer Buben zu dieser Zeit wahrhaft exotisch.

Das letzte Treffen mit Gerard fand 1969 in Reutlingen statt, wo der französische Freund seinen Wehrdienst ableistete. Es folgten Briefe und 1998 ein vergeblicher Versuch, Gerard Monchaux in Calais zu erreichen. Längst waren aus den Pfadfindern Familienväter geworden. Während Haggenmiller als Industriekaufmann tätig war, war Gerard Monchaux zur Polizei gegangen, nach Paris umgezogen und hatte sich schließlich als Sozialarbeiter um schwierige Jugendliche gekümmert.

Neun Monate vergebens gesucht

2008 fand ein Treffen ehemaliger Pfadfinder in Obergünzburg statt. Manfred Schäfer, der einstige Gruppenleiter, hatte alte Erinnerungsfilme und Fotos zusammengefasst. Die DVD wollte Haggenmiller an Gerard Monchaux schicken. Neun Monate lang suchten sein Bruder Wolfgang und Schwägerin Gisela vergebens nach dem französischen Freund.

Im April 2009 war er schließlich gefunden - und wurde gemeinsam mit seiner Frau Michele heimlich zum Geburtstag bei Helmut und Helene Haggenmiller eingeladen. Die Überraschung gelang vollkommen. Gerard habe sich äußerlich sehr verändert, doch, so Haggenmiller: «Wir haben uns genauso verstanden wie damals: er kein Deutsch, ich kein Französisch - aber das nächste Treffen ist bereits in Paris angesagt.»

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