Nesselwang
Wie Wank zu einem Nabel der Auto-Welt wurde

In der Tenne eines Bauernhofs im Nesselwanger Weiler Wank stand die «Wiege» der Fahrschulen im südlichen Ostallgäu. Vor 75 Jahren gründete dort Alois Vogler eine der ersten Einrichtungen in Bayern, in denen Kraftfahrer auf den Straßenverkehr vorbereitet wurden. Seine Tochter Traudl Vogler-Porsche, die die Fahrschule 1958 übernommen hatte und ihr Mann Kurt Porsche, der sie seit Ende 1992 führt, wurden zum Jubiläum vor kurzem vom Bayerischen Fahrlehrerverband geehrt.

Kurz nach dem 1. Weltkrieg hatte Alois Vogler in den Hof in Wank eingeheiratet. Rosina Barnsteiner war dort zur Hofnachfolgerin geworden, nachdem ihre beiden Brüder gefallen waren und ihre Schwester anderweitig verheiratet war. Ihr aus Kirchdorf bei Bad Wörishofen stammender Mann hatte jedoch andere Pläne: Nach und nach verpachtete der Kraftfahrzeugmeister die ursprünglich große Landwirtschaft und richtete in der Tenne eine Opel-Werkstätte ein. Weil damals noch nicht so viele Fahrzeuge unterwegs waren, blieb ihm noch Zeit, seine motoristischen Fähigkeiten anderweitig zu nutzen: Er führte einen Mietwagenbetrieb, über den er unter anderem die Chefs der Reißzeugfabrik Riefler kutschierte, wie sich seine Tochter Traudl erinnert. Getrud Riefler war prompt auch die erste Frau, die mit der Fahrschule Vogler ihren Führerschein machte.

Vom Klischee, dass sich Frauen und Fahrzeuge nicht vertragen, hielt man in Wank ohnehin nicht viel. Auch ihre Mutter kutschierte öfter den Mietwagen, erinnert sich Traudl Vogler-Porsche: «Das war damals ein Erlebnis für die Leute, wenn eine Frau Auto gefahren ist», meint sie schmunzelnd. Auch, dass ihre Mutter viel mit dem Motorrad unterwegs war, sorgte für Aufsehen. Ganz selbstverständlich wuchs Tochter Traudl ins Geschäft hinein. «Dreimal pro Woche war bei uns abends theoretischer Unterricht», erzählt sie. «Da habe ich mich immer mit reingesetzt aus Neugierde.» Immer mehr Aufgaben durfte sie übernehmen. Sie führte die Lehrfilme vor und bereitete den Opel Olympia morgens auf seinen Einsatz vor. Neben der Ölkontrolle und dem Scheiben putzen gehörte damals noch das Nachfüllen des Wassers dazu.

Mangels Frostschutz musste es im Winter abgelassen werden. Weil ihr die Arbeit mit den Fahrzeugen viel Spaß machte, ging sie in einer Opel-Werkstatt in Kempten in die Lehre und lernte bei Bosch in Stuttgart die Technik der Druckluftbremsen kennen. 1954 erwarb sie ihren Fahrlehrerschein und durfte fortan in allen Klassen unterrichten. «Als erste Frau in Bayern», wie sie stolz erzählt. Unterrichtet hat sie dann erst einmal in München und Neuburg an der Donau. «Der Vater wollte, dass ich sehe, wie es wo anders zugeht», so Traudl Vogler-Porsche.

An vier Standorten präsent

Als ihr Vater 1958 starb, war es an ihr, die Fahrschule fortzuführen, die damals Filialen in Pfronten und Oy betrieb. Noch mit über 70 Jahren war sie später dort im Einsatz. Auch heute noch unterstützt sie ihren Mann Kurt Porsche bei der Arbeit, den sie in einer Nesselwanger Autowerkstatt kennengelernt hatte. Mittlerweile bereitet dieser aber selbst die Übergabe der Fahrschule vor, die inzwischen an vier Standorten präsent ist: Nach Nesselwang, Oy und Seeg hat sie zuletzt eine Filiale in Wertach eröffnet und bildet 250 bis 300 Schüler pro Jahr aus. Einen Nachfolger in der Familie gibt es nicht. Seine Nachfolger sucht Porsche deshalb unter seinen Fahrlehrern.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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