Oberallgäu
Wie sich Wirtshäuser über die Jahrhunderte entwickelten

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«Orte des Genusses» sollen in diesem Jahr als Motto des «Tags des offenen Denkmals» am kommenden Sonntag die Historie der Wirtshauskultur über die Jahrhunderte hinweg aufzeigen und die Heimat auch kulinarisch erleben lassen. Deshalb veranstaltet die Stadt Sonthofen einen Spaziergang durch die traditionsreiche Brauereigeschichte und lädt zu einem kulinarischen Rundgang ein.

«Damit will die Stadt Sonthofen zum dritten Mal in Folge ihren Bürgern die Gelegenheit geben, am Tag des offenen Denkmals in die kulturelle Schatzkammer ihrer Heimat zu blicken», erklärt Kulturreferentin Gertrude Goldner. Um die nicht mehr existierenden Gasthöfe und Brauereien ins Gedächtnis zurückzurufen, ist ein Flyer mit Stadtplan erstellt worden.

Seit jeher bereichern das Stadtbild zahlreiche traditionelle «Orte der Gastlichkeit». Weit zurück reicht die Wirtshauskultur in die Blütezeit des Marktfleckens als bekannter Vieh-Handelsplatz. Die Chronik belegt, dass bis vom fernen Russland die Viehhändler kamen.

Ein bedeutendes Brauwesen entwickelte sich in dem 1429 zum Markt erhobenen Sonthofen, denn durch seine günstige Verkehrslage entfaltete sich ein blühendes «Taferngewerbe».

Braurecht zurück bekommen

Diese Erwerbsquelle entging selbst dem Landesherrn nicht, so wurde ab 1659 eine herrschaftliche Braustatt errichtet und mit einem Braumonopol belegt. Aber nach heftigen Protesten bekamen die Bierwirte 1666 ihr Braurecht zurück. Sechs Gasthäuser und vier Brauereien (zum Hirsch, Ochsen, Adler und Engel) prägten 1776 den engeren Ortskern. Alte Speisekarten luden die Geschäftsleute und Bürger zu Lungensupppe, dem Voressen und zu «Saure Leaberle» ein.

Das Recht, Fremde zu beherbergen und zu bewirten, durfte früher mit einem Gasthausschild hervorgehoben werden, das mit einem Symbol der Gastlichkeit wie einem Kranz geschmückt war oder der Linde im Biergarten. Sein Wirtshaus benannte man oft nach biblischen Motiven, zum Beispiel dem Engel. Ein Wirtshaus diente sogar 26 Jahre lang als Sonthofer Rathaus. Die von der «Kronenwirtschaft» weitergeführte Braustatt mit Hausnummer sechs und dem sogenannten «Salettle» im Biergarten wurde 1919 umgebaut, aber 1945 in den Kriegswirren abgebrannt. Die einzige bis heute verbliebene Brauerei, der 1657 gegründete «Hirschbräu», ging 1859 in den Besitz der Familie Höss über. Nach der Teilzerstörung 1945 wurde die Gastwirtschaft und Brauerei zur Privatbrauerei ausgebaut.

Offene Tür im Möggenried-Haus

Auch das Möggenried-Haus in Sonthofen aus dem Jahr 1587 öffnet wieder seine Pforten. Der Münchner Architekt Claudio Ritter wird die Ergebnisse seiner bisherigen Arbeiten bei der Erforschung des Gebäudes vorstellen und über die Pläne zur Sanierung referieren. Außerdem werden die Ergebnisse der Studenten vorgestellt, die im Juli zu Besuch waren und geforscht haben. Umrahmt wird der Tag unter anderem von einer Schmiede-Schau des Meisters Franz Hiller, der mit Esse und Amboss die Zeit der Nagelschmiede wieder aufleben lässt. Außerdem werden Montafoner Intarsien-Tischplatten, barocke Schnitzereien und mittelalterliche Motiv-Stühle zu bewundern sein.

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