Zertifizierung
Wie sich die Aktienbrauerei umwelt- und damit kostenbewusst ausrichtet

Kein Fremdkörper darf das deutsche Bier neben den erlaubten Inhaltsstoffen trüben. Das Reinheitsgebot gilt bei der Aktienbrauerei Kaufbeuren aber nicht nur im Sudkessel. Picobello sauber müssen die Produktionsmaschinen sein, etwa die Flaschenwaschanlage und die Abfülleinrichtungen. «Früher wurden die Reinigungsmittel nach Gutdünken eingesetzt», so Brauereichef Werner Sill. «Hauptsache, es war sauber.» Heute lasse sich ein Betrieb mit rund 100 Mitarbeitern aber nicht mehr aus dem Bauch heraus führen. Deshalb sind exakt die Menge des Reinigungsmittels pro Flasche, die biologische Abbaubarkeit in der eigenen Kläranlage und die Kosten dokumentiert.

Seit einigen Jahren stellt die Brauerei umweltrelevante Vorgänge wie diese auf den Prüfstand, durchleuchtet Arbeitsprozesse und legt verbindliche Regeln fest. All diese Bemühungen fließen in die «EMAS-Zertifizierung» (Wortweiser) ein, die nun verlängert wurde. «Wir brauen ökologisch», sagt Sill. Mit den EMAS-Betriebsprüfungen zeigt die Brauerei, dass sie beim Umweltmanagement Außergewöhnliches leistet. Vereinfacht gesagt, hat das Unternehmen dafür die Auswirkungen seiner Produktion auf die Natur ermittelt, ein wirksames Umweltmanagement aufgebaut, die Vorgaben umgesetzt und von einem unabhängigen Umweltgutachter überprüfen lassen. Seit 1998 passiert dies regelmäßig. «Damit sind wir Branchenvorreiter im Allgäu», freut sich Sill.

Unterstützung durch Belegschaft

IHK-Regionalgeschäftsführer Klaus Fischer bestätigt dies. Denn bisher sei das Ökoaudit eher in der Industrie verankert. Er hoffe, dass künftig noch mehr Unternehmen dieses «Fitnessprogramm» für Wirtschaftsbetriebe umsetzten. Fischer betonte, dass solche Zertifizierungen nicht nur Chefsache seien. Wichtig sei die Unterstützung der Ziele durch die Belegschaft. Auch hier sei die Brauerei beispielhaft.

Sill betont, dass sein Unternehmen sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen will. So wurden einst nicht nur in einer umfassenden Erklärung die Umweltpolitik, die Organisation des Umweltmanagementsystems und die Umweltziele zusammenfasst, regelmäßig Ökobilanzen erstellt, Umweltbetriebsprüfungen vorgenommen, Schwachstellen analysiert und ein Umweltprogramm erarbeitet. 2010 wurde eine 1500 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Produktionshalle installiert.

Theoretisch ließe sich das komplette Unternehmen mit Sonnenkraft betreiben. Einfacher ist es freilich, den Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen und sich vergüten zu lassen.

Auch dieser Ertragsfaktor ist für IHK-Regionalgeschäftsführer Fischer ein Wettbewerbsvorteil der Umweltbemühungen - neben der Rechtssicherheit bei Haftungsfragen oder dem besseren Image. «Man redet immer von Belastungen, die solche Zertifizierungen mit sich bringen», sagt Fischer. «Aber man spart danach auch richtig Geld.» Nicht jeder Betrieb könne zwar die Kraft der Sonne nutzen und damit nach der Amortisation die Kasse aufbessern. Am effizienten Einsatz dieser Energie in den Produktionsabläufen zeigten sich jedoch immense Einsparpotenziale. «Wichtig ist, dass ein Zahnrad ins andere greift», sagt Sill.

Der Effekt schlage sich dann nicht nur in der Umwelt-, sondern auch in der Wirtschaftsbilanz nieder.

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