Memmingen
Wie ein wärmender Mantel

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«Der Tod galt damals noch als biotechnische Panne, über die man nicht gesprochen hat», sagt Professor Albrecht Pfeiffer. Der Ärztliche Direktor des Memminger Klinikums erinnert sich noch gut an seine Studienzeit vor gut dreißig Jahren - und an die seinerzeit vorherrschenden Leitbilder. Seither habe sich einiges getan, betont er: «Heute wissen wir: Ein guter Arzt kann nicht nur gut heilen, sondern auch gut lindern.» Dieser Grundsatz gilt nicht nur, aber vor allem für die Palliativmedizin (siehe auch Infokasten).

Das Wort hat seinen Ursprung im Lateinischen: Pallium bedeutet Mantel. Und wie ein schützender, wärmender Mantel sollen auch alle Maßnahmen der Palliativmedizin einen schwerstkranken oder gar todgeweihten Patienten sanft umhüllen.

Spätestens zum Jahresbeginn

Bald auch im Memminger Klinikum: «Wir rechnen damit, dass wir unsere neue Palliativstation zum 1. Dezember, spätestens jedoch zum Jahresbeginn eröffnen können», kündigt Professor Pfeiffer an. Ihm obliegt auch die Leitung der neuen Station. Diese werde künftig über sechs Betten verfügen.

«Es handelt sich dabei mitnichten um eine Sterbe- oder Abschiebestation», unterstreicht Pfeiffer. Die Palliativmedizin wolle vielmehr für eine möglichst hohe Lebensqualität bei Schwerstkranken sorgen. Alle Behandlungen sollten daher «möglichst schonend und lindernd» sein, erläutert der Ärztliche Direktor. Sein Leitmotiv: «Nicht dem Leben mehr Tage geben, sondern den Tagen mehr Leben.» Um dieses Ziel zu erreichen, werde auch in der neuen Palliativstation ein ganzheitlicher und interdisziplinärer Ansatz verfolgt, kündigt Pfeiffer an. Das Team setze sich aus zahlreichen Berufsgruppen zusammen, zum Beispiel aus Ärzten und Pflegern, Seelsorgern und Sozialarbeitern, Physiotherapeuten und Psychologen. Außerdem sei eine enge Verzahnung mit den Hausärzten notwendig.

Der Wille des Patienten

Für sie alle sei letztendlich der Wille des Patienten der entscheidende, bindende Faktor. «Dass das in ethisch-moralischer Hinsicht nicht immer einfach sein wird, ist klar», räumt Pfeiffer ein. Daher wirbt er auch in diesem Zusammenhang für die Patientenverfügung, die idealerweise durch eine Vorsorgevollmacht ergänzt werden solle.

Die Kommunikation mit den Angehörigen und dem Umfeld des Patienten sei hierbei von größter Bedeutung. Nicht zuletzt deshalb schließe die Palliativmedizin auch deren Betreuung und Behandlung mit ein. «Das heißt zum Beispiel, dass wir für sie auch Übernachtungsmöglichkeiten im Klinikum schaffen», erklärt Pfeiffer.

«Wir können bei denjenigen, denen wir nicht mehr helfen können, keinen Heilansatz mehr verfolgen - aber sie auf mehreren Ebenen möglichst würdevoll begleiten.» Mit diesen Worten umschreibt der Leiter der neuen Palliativstation, wie er und seine Kollegen sich einen guten Arzt vorstellen.

Auch wenn es zu Pfeiffers Studienzeiten noch anders gewesen sein mag: Er und sein Team empfinden es heute nicht mehr als schwere persönliche Niederlage, wenn ein Mensch stirbt.

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