Interview
Wie ein Kaufbeurer die Sicherheitskonferenz in München organisiert

Der Kaufbeurer Jean-Pierre Schnaubelt (31) verrät, was sich hinter den Kulissen beim Treffen in München abspielt. Der Politikwissenschaftler leitet das Programm- und Projektmanagement der Sicherheitskonferenz. Rund 40 Personen kümmern sich in seinem Team um die Organisation des weltweit wichtigsten informellen Treffens zur Sicherheitspolitik, zu dem ab Freitag mehr als 30 Staats- und Regierungschefs sowie rund 60 Außen- und Verteidigungsminister erwartet werden.

Herr Schnaubelt, wie laufen die letzten Tage vor einer Sicherheitskonferenz ab?

Schnaubelt: Sehr stressig. Sehr laut. Wenig Schlaf.

Was passiert denn da noch?

Schnaubelt: Sämtliche letzten Anfragen müssen geklärt werden, das Telefon klingelt durchgehend. Teilnehmer und Gäste melden sich per E-Mail oder stehen auch mal vor der Türe.

Wie lange dauert es, eine Sicherheitskonferenz vorzubereiten?

Schnaubelt: Wir fangen im Sommer an mit der ersten Einladungsrunde. Die konkreten Vorbereitungen beginnen dann im Herbst mit den Absprachen mit Partnern, mit dem Buchen von Hotelkontingenten, der Organisation des Programms, der Sprecher und Teilnehmer. Richtig heiß wird es ab Dezember.

Als Außenstehender sieht man vor allem die Bilder der Pressekonferenzen und Reden der großen Politiker. Wie muss man sich eine Sicherheitskonferenz hinter den Kulissen vorstellen?

Schnaubelt: Zum einen geht es darum, dass unsere Gäste die Chance haben, in einer großen Öffentlichkeit ihren Standpunkt zu vertreten. Zum anderen darum, sich zu treffen. Die Teilnehmer wissen, dass sie hier ihre Partner aus aller Welt treffen - und dass es Zeit für ungestörte Gespräche in ungestörter Atmosphäre gibt.

Zu den Gästen zählt heuer unter anderem König Abdullah II. von Jordanien. Wie läuft das ab, wenn so jemand in München ankommt? Was ist Ihr Job?

Schnaubelt: (lacht) Unser Job ist, dass alles gutgeht und dass er sich wohlfühlt. Zum einen geht es darum, zu klären, wie seine Rede abläuft, welche Inhalte er anspricht. Zum anderen natürlich die Logistik. Der König muss mit seiner Gefolgschaft, die nicht nur aus zwei bis drei Leuten besteht, angemessen untergebracht sein.

Wie viele Personen sind das denn?

Schnaubelt: Bei uns muss er nur die Personen anmelden, die in den Sicherheitsbereich und ins Konferenzhotel müssen. Da hat jede Delegation in etwa die gleiche Größe - so um die zehn bis zwanzig Personen. Insgesamt ist die Gefolgschaft des Königs vermutlich deutlich größer.

Bringt eigentlich jeder Politiker und Staatschef seinen eigenen Sicherheitsapparat mit?

Schnaubelt: Manche Minister verzichten auch darauf, weil vonseiten der deutschen Behörden für die Sicherheit gesorgt wird. Die meisten bringen aber tatsächlich ihre eigenen Sicherheitsleute mit.

Welche Rolle hat bei den Vorbereitungen heuer die aktuelle Terrorlage in Europa gespielt?

Schnaubelt: Das hat insofern eine Rolle gespielt, dass unsere Sicherheitsvorkehrungen noch schärfer sind. Die Zugänge zum Veranstaltungsraum bzw. Fahrzeuge, die in den Sperrbereich einfahren, werden noch genauer kontrolliert, die Personen viel strenger reglementiert und vorüberprüft. Auch die Delegationen wurden beschränkt. Früher hätte König Abdullah II. deutlich mehr Personen mitbringen können.

Wie sieht Ihr Job am Wochenende aus?

Schnaubelt: Bei der Konferenz selbst bin ich für das Programm zuständig und dass alles reibungslos läuft. Heißt: dass jeder Redner zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Dabei kommt es auch mal vor, dass ein Staatschef oder Politiker unter keinen Umständen mit einem anderen auf der Bühne erscheinen will. Oder dass Person A nicht mit Person B in einem Raum sein kann.

Gab es - ohne jetzt Namen zu nennen - schon einmal einen richtigen Eklat hinter den Kulissen?

Schnaubelt: Bisher konnten wir jeden Eklat noch abwenden. Natürlich gibt es immer mal wieder Befindlichkeiten, die etwas mehr Mühe bei der Organisation erfordern. Besondere Wünsche etwa, was die Rednerreihenfolge betrifft - wenn der eine Gast kurzfristig nicht mehr nach einem bestimmten anderen sprechen will.

Woran machen Sie als Veranstalter fest, ob die Sicherheitskonferenz ein Erfolg war?

Schnaubelt: Erstens: am Feedback der Teilnehmer. Zweitens: an den Anfragen im folgenden Jahr. Es ist jetzt meine fünfte Sicherheitskonferenz. Seither hatten wir jedes Jahr noch mehr Anfragen von hochrangigen Regierungsvertretern, Nichtregierungsorganisationen und internationalen Vereinigungen. Das zeigt uns, dass die Münchner Sicherheitskonferenz doch ein internationales Forum ist, das viele nutzen wollen.

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