Glaube
Wie das Christentum sich im Allgäu behauptet

Das Christentum prägt Europa bis in die Gegenwart. Doch während der Völkerwanderung muss es einige Dämpfer wegstecken, bevor es zum beherrschenden Glauben auf dem Kontinent wird. Dabei stehen die Zeichen zuerst auf Wachstum: Nicht einmal 100 Jahre nachdem im Römischen Reich Christen noch verfolgt und getötet werden, steigt der Glaube zur Staatsreligion auf. Damit wird auch das Allgäu christlich – als Teil der römischen Provinz Rätien.

und mit ihm der einheitliche Glaube. Germanische Völker wie die Alemannen dringen in das ehemals römische Gebiet vor und bringen ihren heidnischen Glauben mit. Die Götterwelt kennt nun wieder mehr als nur einen Schöpfer, auch wenn die Menschen ihre Religionen ganz gerne mal miteinander verschmelzen.

Vergänglich: Bauten aus Holz

Gut nachvollziehen lässt sich das anhand der Gräber, die Archäologen in unserer Zeit beispielsweise entlang der Wertach im Ostallgäu finden. Diese letzten Ruhestätten der Toten geben Anhaltspunkte über das Leben der Menschen. Das ist gerade für die Zeit der Völkerwanderung wichtig. Denn ihre Siedlungen legen die Germanen nicht für lange Zeit an – dazu ist Europa zu sehr in Bewegung. Die Bauten bestehen zu großen Teilen aus Holz und überdauern die Jahrhunderte nicht. Die Menschen haben ihre Orte relativ flott aufgegeben oder verlagert, erläutert Archäologe und Verleger Volker Babucke.

Grabbeigaben als Indizien

Entscheidende Indizien für die Religion sind Grabbeigaben, besser gesagt: ihr Fehlen. Denn Christen glauben nicht daran, dass der Tote im Jenseits beispielsweise Waffen benötigt. Er tritt seine letzte Reise also ohne zusätzliche Gegenstände an. In Rätien werden im Lauf der Zeit immer weniger Waffen in die Gräber gegeben, sagt Babucke – ein Zeichen, dass das Christentum auf dem Land wieder auf dem Vormarsch ist. Größere Siedlungen wie Augsburg, Kempten oder Epfach bleiben nach seinen Erkenntnissen ohnehin durchgehend christlich.

Doch was löst den flächendeckenden Wandel aus? Es stimmt nicht, dass der Mönch Magnus das Allgäu christianisiert hat, sagt die Kemptener Historikerin Birgit Kata. Zwar stößt man in Kempten und Füssen noch häufig auf die Allgäuer Kurzform seines Namens Mang. Doch wie so oft ist die Realität nüchterner: Im Allgäu leben bereits etwa zwei Generationen vor Magnus wieder Christen.

Weil die Alemannen im Norden und Westen entscheidende Schlachten gegen die Franken verlieren, unter anderem im Jahr 496 die Schlacht von Zülpich im heutigen Nordrhein-Westfalen, müssen sie den Glauben der Sieger annehmen. Und was für die Chefs gilt, ist auch für alle ihre Untergebenen Gesetz.

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