Sommerserie
Wie aus dem maroden Zehentstadel in Pleß ein beliebter Veranstaltungsort wurde

Unsere Sommerserie «Denkwürdig» beschäftigt sich mit Gebäuden im Landkreis Unterallgäu, die unter Denkmalschutz stehen. Wir wollen die Besonderheiten dieser Häuser, Kirchen und Schlösser ein wenig ins Licht rücken und zeigen, was die Besitzer damit vorhaben oder wie sie darin leben.

Pleß Wo früher Weizen, Hafer, Rüben und Kartoffeln gehortet wurden, spielt heute die Musikkapelle. Manchmal heiraten sogar Paare in dem Zehentstadel in Pleß. Der Stadel ist aus Sicht von Experten ein positives Beispiel unter den denkmalgeschützten Gebäuden im Unterallgäu. In den Jahren 2007 und 2008 hatte die Gemeinde das Gebäude für rund 750000 Euro saniert.

In der Vergangenheit lagerte die Grundherrschaft dort die Abgaben der Bauern (den Zehnten) in Form von Naturalien ein. Lange Zeit wurde das im 17. Jahrhundert erbaute Haus auf diese Weise genutzt, bis es irgendwann in die normale landwirtschaftliche Nutzung überging, wobei es bis in die 1970er Jahre blieb. Viele Jahre stand der Stadel im Anschluss leer. Dann stufte das Landesamt für Denkmalpflege den Bau als erhaltenswürdig ein.

<< In den 1980er Jahren hat das Landesamt den Dachstuhl stabilisieren lassen >>, erzählt Bürgermeister Peter Lessmann. Denn der Zahn der Zeit hatte an den hölzernen Stützpfeilern genagt. Noch heute ist in dem sanierten Gebäude zu sehen, wie weit das Dach abgesackt sein muss: Etwa ein halber Meter faules Holz musste am marodesten Pfeiler durch Beton ersetzt werden.

Verliebt und gekauft

Doch dabei blieb es dann vorerst für mehrere Jahre. Ein Privatmann hatte sich zwar in das Gebäude verliebt und es gekauft, erklärt Lessmann. Doch es gelang ihm nicht, es zu sanieren. Der Mann sei wirtschaftlich gescheitert, sodass ihm eines Tages die Gläubiger im Nacken saßen. Der Zehentstadel wurde zwangsversteigert. Weil die Gemeinde mitbestimmen wollte, was mit dem ortsbildprägenden Haus passiert, steigerte sie mit und erwarb das Gebäude.

An die Sanierung unter Federführung des Plesser Architekten Sebastian Geiger ging es dann, als der Gemeinderat einstimmig beschloss, den Zehentstadel für Veranstaltungen und für die Bedürfnisse der Musikkapelle umzubauen. Dank verschiedener Förderungen hatte die Kommune schlussendlich noch einen Anteil von 350000 Euro zu tragen. << Jetzt probt die Kapelle fast jeden Abend hier >>, sagt Lessmann über den dafür hergerichteten Raum im Obergeschoss. Außerdem sei der große Veranstaltungsraum eine Etage tiefer an rund 40 Wochenenden im Jahr ausgebucht: Für Privat- und Firmenfeiern sowie Konzerte. Und obwohl die Musikkapelle das Haus laut Lessmann unentgeltlich nutzt, beziffert er die Unterhaltskosten mit << einer roten Null >> - also ein minimales Draufzahlgeschäft.

Gelungen ist die Sanierung auch in den Augen von Alfons Blachowiak, der beim Landratsamt für den Denkmalschutz zuständig ist. In Pleß wurde seiner Meinung nach ein guter Kompromiss gefunden, das Baudenkmal zu erhalten und trotzdem auf die Bedürfnisse des Nutzers einzugehen. << Die Feuertreppe an der südlichen Außenseite des Hauses ist zum Beispiel ein Zugeständnis, um eine zeitgemäße Nutzung zu ermöglichen >>, sagt er. Denn wenn ein solches Gebäude nicht genutzt werden könne, sei es auch kaum zu erhalten.

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