Memmingen
«Wie auf einer Beifallswelle»

Wer Wallenstein sein will, muss leiden. Er habe die Aufgabe bekommen, reiten zu lernen, erinnert sich der zweimalige Darsteller des Generalissimus, Dr.Holger Hoffmann. «Der ersten Galoppstunde folgte ein längerer Klinik-Aufenthalt», so der Anwalt. Es gibt an diesem Samstag viel zu erzählen über die Festspiele. Im Rathaus wird der Auftakt zum Jubiläumsjahr «30 Jahre Wallenstein» gefeiert.

Ein bisschen früh, könnte man einwenden. Schließlich sind die drei Jahrzehnte erst im nächsten Sommer voll. Doch die Vorbereitungen auf das große Ereignis hatten natürlich schon lange vor dem eigentlichen Termin begonnen. «Im Jahr 1979 wurde die Nähstube unter Leitung von Resi Walter aufgebaut, Handwerker fertigten Ausrüstungsgegenstände», berichtet Heinz Janda, Zweiter Vorsitzender des Fischertagsvereins, im Rathaus.

Der Gründung der Nähstube war ein erfolgloser Ausflug nach Prag vorausgegangen. Dies ist einem Text von Heimatpfleger Uli Braun zu entnehmen, den Helmut Scheufele als Ehrenvorsitzender des Fischertagsvereins vorträgt. Nach einem Beitrag über Wallenstein im Fernsehen suchten die Memminger den Kontakt mit den Filmemachern, um sich Kostüme zu besorgen. Dies führte sie in ein Prager Filmstudio.

Doch das Geschäft scheiterte unter anderem an den «hohen Bestechungssummen», die die Tschechoslowaken forderten. Das war aber vergessen, als 1980 die Wallenstein-Spiele begannen. Es habe eines großen Mutes bedurft, die Veranstaltung wieder ins Leben zu rufen, blickt Janda zurück. Heute finde in Memmingen das größte Historienspiel Europas statt. Wobei man jetzt nicht mehr weiter wachsen wolle. Die 4500 Mitwirkenden seien die Obergrenze, so Janda. Für Oberbürgermeister Dr.Ivo Holzinger sind die Wallenstein-Spiele ein Beitrag dazu, «die schwäbische kulturelle Identität zu wahren und nach außen deutlich zu machen».

«Vielfach angebotenen Bierkrügen aus dem Weg gehen»

Einer, der daran mitwirkt, ist Dr.Holger Hoffmann. Schon zweimal hat er den Wallenstein gespielt, 2000 und 2008. Die Mühen des Reitunterrichts wurden schon geschildert, es gibt auch deutlich angenehmere Momente im Leben eines Generalissimus-Darstellers: «Wenn man während des Umzugs in der Kutsche sitzt und überall die Menschen zu klatschen anfangen, fährt man wie auf einer Welle des Beifalls durch Memmingen.» In seiner launigen Rede berichtet Hoffmann auch, was beim Gang durchs Lager so alles passiert: «Da ist es die Hauptaufgabe von Wallenstein, den vielfach angebotenen Bierkrügen aus dem Weg zu gehen, denen der Oberbürgermeister und die Begleitung gerne zusprechen.»

Michael Ruppert als Organisationsleiter des Fischertagsvereins stellt schließlich noch ein neues Buch vor: «30 Jahre Wallenstein - die Bürger einer Stadt spielen ihre Geschichte». Es liefert einen Überblick über das historische Spektakel - vom Lagerleben bis zu den Reiterspielen, von der Gefechtsvorführung bis zum Handwerkermarkt.

Vorbestellung Das Wallenstein-Buch kommt im Sommer 2010 auf den Markt. Es kann aber schon jetzt in der Geschäftsstelle des Fischertagsvereins vorbestellt werden (Telefon 08331/495065).

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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