Füssen / Ostallgäu
«Wie auf dem Abstellgleis»

Gute Nerven und viel Geduld: Das braucht derzeit nicht nur Dr. Ina Schicker. Die Journalistin ist beruflich auf den Zug von Füssen nach München angewiesen. Wegen einer Baustelle zwischen Kaufbeuren und Buchloe (wir berichteten) müssen sie und andere Fahrgäste nun bis zu einer dreiviertel Stunde auf den Anschluss warten. Sie befürchtet, dass die Deutsche Bahn langfristig Züge aus dem Fahrplan streicht.

«Ich fühle mich selbst wie auf einem Abstellgleis», sagt Schicker verärgert. Die 43-Jährige bemängelt, dass vor allem zu Stoßzeiten Züge ausfallen und so Berufspendler bis zu drei Stunden unterwegs seien. Dabei habe die Verspätung gar nichts mit der Baustelle zu tun, vermutet Schicker: «Die meisten Züge erreichen trotz Baustelle Kaufbeuren oder Marktoberdorf mit nicht mehr als zehn Minuten Verspätung.» Ein Problem bekämen Reisende erst, wenn sie weiter nach Füssen wollten: «Ihnen mutet man zu, in Kaufbeuren oder Marktoberdorf bis zu einer dreiviertel Stunde auf einen Anschlusszug zu warten», sagt Schicker wütend. «Es sollte doch möglich sein, jeweils zwei Pendelzüge zwischen Füssen und Kaufbeuren hin- und herfahren zu lassen», ist sich die 43-Jährige sicher.

Auch für den Tourismus sei dies fatal: Sie befürchtet, dass viele Besucher nicht bereit sind, drei Stunden im Zug zu sitzen und so in andere Urlaubsregionen ausweichen.

Pressesprecher Franz Lindemair von der Deutschen Bahn Bayern «bedauert, dass die Baustelle für Fahrgäste derzeit Beeinträchtigungen mit sich bringt». Einen weiteren Pendelzug, der nach Meinung von Schicker das Problem lösen könnte, hält er aber für wenig geeignet: «Wir haben den Vorschlag einer Zugbegegnung in Lengenwang schon vorab untersucht», versichert er. «Im Gesamten betrachtet ist das die beste Lösung», denn einseitige Verschiebungen im Fahrplan würden eine Kettenreaktion auslösen und unter Umständen auch stark nachgefragte Strecken nach Kempten oder Lindau beeinträchtigen. Er rät deshalb allen Betroffenen, während der Baustellenphase immer durchgängige Züge nach München zu nutzen. Diese verkehrten alle zwei Stunden.

Ina Schicker kann nur den Kopf schütteln: «Wir haben die schäbigsten und ältesten Züge», moniert sie die stiefmütterliche Behandlung der Strecke Füssen - München. Und das will auch Bahnsprecher Lindemair nicht ganz dementieren: «Die Züge sind zum Teil mit 20 bis 30 Jahren schon älter und die Strecke nach Füssen wurde auch die letzten Jahre nicht besonders modernisiert», räumt er ein. Von einer Beeinträchtigung der Strecke könne aber nicht die Rede sein. «Zwar können von Juni bis Dezember weniger Züge fahren, dann kommt aber wieder der alte Fahrplan. Die Vermutung, dass es später weniger Züge sind, kann ich ganz und gar zurückweisen», erklärt der Bahnsprecher.

Bürgermeister Paul Iacob appelliert derweil an die Geduld der Bahnreisenden: «Mir liegt eine plausible Stellungnahme der Bahn vor» - dort müsse man eben das gesamte Schienennetz im Auge haben. Dass die Touristen ausbleiben, glaubt er nicht: «Die meisten haben die Reise ohnehin schon vorher geplant.»

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