Obergünzburg
«Wichtig ist, dass für die Kinder eine schöne Geschichte entsteht»

Es ist ein warmer Mittwochvormittag. Eine Handvoll Mädchen und Buben sitzt im Hinterhof des neuen, würfelförmigen Südseemuseums, das über einen Glasgang mit dem ehemaligen «Heimatmuseum Obergünzburg», heute «historisches Museum» genannt, verbunden ist. Auf Biertischen sind unterschiedliche Perlen, Muscheln, Federn, Holzlatten, Fäden, Bast und allerhand Werkzeug ausgebreitet - Materialien, mit denen die Kinder Ketten, Schlüsselanhänger und Speere nach dem Vorbild der Insulaner anfertigen, deren Lebensweise in der von Kapitän Karl Nauer zusammengetragenen Südseesammlung dargestellt wird.

«Ein bisschen Abwechslung»

Beaufsichtigt wird die Bastelrunde von Edith Gmeindner. Die Obergünzburgerin macht auf freiwilliger Basis Führungen durch das Südseemuseum und ist prädestiniert, den Mädchen beim Herstellen von Ketten und Armbändern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen: Auch in ihrer Freizeit bastelt sie Schmuck, der schließlich in der Südseesammlung verkauft wird. Die elfjährige Hannah Föhrtsch besucht diesen neuen Teil des Obergünzburger Museumskomplexes zum ersten Mal. «Ich finde es gut, dass man so einen Tag veranstaltet, da hat man ein bisschen Abwechslung in den Ferien», meint sie begeistert. Am Tisch nebenan stellt ihr Bruder David aus einer Holzlatte einen Wurfspeer her. Museumsleiter Ulrich Habich hilft dem Achtjährigen beim Ausfeilen der Speerspitze.

Als David sein Kunstwerk fertiggestellt hat, beginnt die Museumsführung mit einem Abstecher in die Meeresbiologische Ausstellung, die momentan im zweiten Stock des Historischen Museums Obergünzburg beheimatet ist. Geduld und Redegewandtheit beweist Museumsleiter Habich im dritten Stock des Gebäudes, das früher als Pfarrhaus genutzt wurde, als er den Kindern anschaulich die Bedeutung der einzelnen Figuren auf einem Familienporträt von Johannes Kaspar beschreibt. Ehrfurcht huscht über die kleinen Gesichter, als Habich erklärt, dass ein guter Maler das malt, «was er im Herzen sieht».

Anschließend entführt der Museumsleiter die Kinder durch den Verbindungsgang zwischen den beiden Museen in die Südseesammlung. Dort beginnt die Führung im «Fahrstuhl», einem dunklen Raum, in dem drei Monitore angebracht sind, die die Reise von Obergünzburg durch den Erdkern auf die andere Seite der Erde darstellen. Dort angekommen erläutert Habich anhand eines runden Tisches, auf dem eine leuchtende Karte der Südsee montiert ist, dass er und die Kinder sich nun in «Melanesien» befinden, den Inselgruppen nördlich von Australien, die von dunkelhäutigen Menschen besiedelt sind.

Überraschende Rangordnung

Ein Ausstellungsgegenstand, der nicht aus Nauers Besitz stammt, ist die originale Südsee-Wohnhütte, die von der Pazifikinsel Pentecost hierhergeschifft und ab Mai 2009 extra von einem Insulaner aus Bunlap in einer Ecke im Erdgeschoss des Museums aufgebaut wurde. Sie bildet den Mittelpunkt einer Installation, an der Habich den Kindern die originalgetreue Wohnumgebung der Insulaner erklärt. Für Überraschung sorgt die familiäre Rangordnung auf den Inseln in der Südsee: Am wichtigsten ist der Mann, an zweiter Stelle stehen die Kinder, vor den Frauen aber kommen die Schweine.

Nachdem die Kleinen im ersten Stock schließlich den Ausführungen des Museumsleiters über das Leben Karl Nauers gelauscht haben, kehren sie in den Hinterhof zurück und lassen den Vormittag beim Basteln eines weiteren Speeres oder einer Muschelkette ausklingen.

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