Wer sich wohlfühlen will, muss auch Beitrag leisten

Lindenberg | ins | An der Hauptschule in Lindenberg fand in diesem Jahr keine gemeinsame Abschlussfeier statt. Schulleiter Gerd Hoffmann sagte die bereits geplante Veranstaltung ab. Darüber zeigten sich einige Schüler wie Eltern enttäuscht, teilweise auch erbost. Wir sprachen mit Rektor Hoffmann über die Angelegenheit.

Herr Hoffmann, Was war denn nun eigentlich der Grund für die Absage der Schlussfeier?

Hoffmann: Wir haben bei einem beträchtlichen Teil unserer Schüler deutliches Desinteresse festgestellt. Bei zwei Klassen gab es kaum Bereitschaft, Beiträge zu leisten. Einige Schüler haben gefragt, ob sie überhaupt bei der Feier dabei sein müssen. Das war einfach so. Dazu haben uns viele nach den Prüfungen signalisiert, dass sie an Schule und Unterricht kein Interesse mehr haben. Sogar Eltern haben gefragt, ob es nicht möglich sei, schon eher mit dem Unterricht aufzuhören. Wir haben gesagt, wenn kein Interesse da ist, reagieren wir entsprechend. Das war eine Entscheidung der Schulleitung. Die Klassenlehrer wussten Bescheid.

Und warum äußern Sie sich erst jetzt zum ausgefallenen Schulschlussfest anstatt vor zwei Wochen, als Sie die Feier abgesagt haben?

Gerd Hoffmann: Ich habe mich den Lehrern gegenüber geäußert, einigen Schülern gegenüber und auch den Eltern. Ich hatte nicht mit Leserbriefen gerechnet. Das war für mich eine interne Sache, die nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen wird.

Woher kommen dann die Vorwürfe, niemand sei informiert gewesen?

Hoffmann: Tatsache ist, dass ich beim Abschlussabend des Elternbeirats Mitte Juli die Gründe erklärt habe. Der Elternbeirat war fast komplett anwesend. Ich habe es auch in einer Kurzkonferenz dem Lehrerkollegium nahegebracht. Die Stimmung war einstimmig. Das Lehrerkollegium hat diese Entscheidung zu 100 Prozent unterstützt. Außerdem muss es ja auch nicht immer eine Abschlussfeier in dieser Dimension sein. Immerhin waren es 140 Abschlussschüler, das sprengt fast den Rahmen. Wir haben angeboten, dass jede Klasse ihre Feier in kleinem Rahmen machen kann, wenn sie Interesse hat.

Es ist doch verständlich, dass Schüler, die keine Probleme gemacht haben, enttäuscht sind, so ganz ohne Verabschiedung ihre Schule verlassen zu müssen.

Hoffmann: Ja, das verstehe ich auch. Aber es haben einfach so viele Schüler ihr Desinteresse signalisiert. Ein Beispiel: Nach der Abschlussprüfung war noch regulär Unterricht. Einige haben gesagt, wir sehen nicht ein, dass wir noch Sport machen, wenn die Sportprüfung vorbei ist. Was sollen wir dann machen? Sollen wir sie einzeln fragen, willst Du Sport machen?

Eltern haben behauptet, in den Abschlussklassen seien bis zu 70 Prozent der Schüler durchgefallen. Stimmt das?

Hoffmann: Es ist in einer Klasse das Ergebnis deutlich unterdurchschnittlich. Aber wenn ich alle fünf neunten Klassen zusammennehme, komme ich auf etwa 60 Prozent, die den Quali geschafft haben.

Sie selbst haben bei der Beschreibung ihrer Zielsetzung einmal den Begriff 'Wohlfühlschule' genannt. Was werden Sie unternehmen, damit die Stimmung im nächsten Schuljahr diesem Anspruch wieder besser entspricht?

Hoffmann: Wir haben in unserer Schule 540 Schüler, das war die Meinung von fünf oder sechs. Man sollte diese Situation nicht dramatisieren. Es gibt viele Schüler, die gerne in unsere Schule gehen. Aber wir sind keine Unterhaltungsinstitution. Wer sich in der Schule wohlfühlen will, soll natürlich auch einen Beitrag dazu leisten. Wenn diese Bereitschaft da ist, dann funktioniert das System.

Was bedeutet das fürs nächste Jahr?

Hoffmann: Es gibt nächstes Jahr eine Verabschiedung für alle Schüler, die sich daran beteiligen wollen. Wenn alle gerne mitmachen, dann kann es auch wieder eine gemeinsame Abschlussfeier geben.

Können die Turbulenzen von heuer vielleicht auch heilsam sein?

Hoffmann: Das kann ich mir schon vorstellen. Vieleicht denken die Schüler, die nächstes Jahr in der Neunten sind, vorher darüber nach. Wir werden das mit Schülern und Eltern rechtzeitig im Vorfeld klären, in welcher Form die Verabschiedung Sinn macht.

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