Schwangau / Marktoberdorf
«Wer einmal da war, kommt gerne wieder»

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Eigentlich leitet Wolfgang Kühnl im Landratsamt Ostallgäu die Abteilung Kreisentwicklung. Aber in einem Teil seiner Arbeitszeit - und auch in seiner Freizeit, wie er sagt - organisiert der 61-jährige Verwaltungsdirektor mit Wohnsitz Marktoberdorf die Schlosskonzerte Neuschwanstein. Zum Start des neuntägigen Festivals am heutigen Samstag sprachen wir mit Kühnl über die riesige Karten-Nachfrage, die vielen ehrenamtlichen Helfer und das Programm.

Herr Kühnl, ich nehme an, Sie strahlen heute Abend bei der Eröffnung der Schlosskonzerte. Schließlich sind alle Konzerte restlos ausverkauft.

Kühnl: Ja, das ist sehr erfreulich. Die 4000 Karten waren im Februar innerhalb von drei Tagen weg. Inzwischen haben wir eine Warteliste mit 1100 Kartenwünschen.

Angesichts dieser riesigen Nachfrage müssten Sie das neuntägige Festival eigentlich ausweiten. Denken Sie darüber nach?

Kühnl: Beim Start der Schlosskonzerte 1969 gab es fünf Veranstaltungen, später sieben. Als ich 2001 die Leitung übernahm weiteten wir auf neun Tage aus. Mehr ist sehr schwierig. Immerhin arbeiten an jedem Abend 60 bis 70 ehrenamtliche Helfer im Schloss. Denen kann ich zusätzliche Abende nur sehr schwer zumuten.

Wenn es nicht möglich ist, die Konzertreihe zu verlängern, könnten Sie doch vielleicht zwei Konzerte an einem Tag anbieten?

Kühnl: Auch das funktioniert nicht. Denn tagsüber sind die Schlossführungen mit Tausenden von Besuchern aus aller Welt. Die müssten wir dann aussperren.

Wie gewinnen Sie die vielen ehrenamtlichen Helfer?

Kühnl: Die meisten kommen aus Schwangau. Allein die Feuerwehr rückt mit drei Zügen an, das sind 27 Mann plus der Kommandant. Und das Rote Kreuz ist mit fünf, sechs Helfern vertreten. Obwohl alle Helfer nur eine geringe Aufwandsentschädigung erhalten, sind sie immer gerne dabei und bilden eine eingeschworene Gemeinschaft. Die Leute haben richtig Spaß, die Konzerte mitzugestalten. Das ist im Schloss ja nicht einfach. Immerhin geht es bis zum Sängersaal sieben Stockwerke nach oben.

Haben Sie Angst vor dem Tag, an dem die Konzerte nicht mehr ausverkauft sein werden?

Kühnl: Nein, überhaupt nicht. Wir bemühen uns um ein ansprechendes Programm mit hochwertigen Orchestern und Solisten. Zusammen mit dem einmaligen Schloss-Ambiente ist das die Basis für immer wieder ausverkaufte Konzerte. Und wer einmal da war, kommt gerne wieder: Rund 70 Prozent der Zuhörer sind Wiederholungstäter. Ich glaube, unser Haus wird auch in Zukunft voll sein.

Kommen wir auf das Programm zu sprechen. Auffällig ist, dass es nicht auffällig ist. Sie bieten vorwiegend populäre Werke von populären Komponisten. Warum wagen Sie keine Experimente?

Kühnl: Da möchte ich widersprechen! Bei den ersten beiden Konzerten stellen wir Vivaldis «Vier Jahreszeiten» den «Jahreszeiten» des Tango-Komponisten Piazzolla gegenüber. Das werden Sie selten erleben. Auch die Haydn-Arien am Montag werden Sie nirgends sonst in dieser Kombination hören. Und am Donnerstag führen wir die Schauspielmusik Beethovens zu Goethes «Egmont» komplett auf, mit Sprecher und Sängerin. Das ist deutschlandweit einmalig. Wenn das kein Experiment ist! Das Publikum reagierte darauf zunächst recht verhalten.

Entspricht das Programm auch Ihren persönlichen Vorlieben? Oder hören Sie privat ganz andere Musik?

Kühnl: Seit ich die Schlosskonzerte organisiere, höre ich verstärkt klassische Musik. Aber eigentlich bin ich offen für alles.

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