Immenstadt
Wenn Übung allein nicht den Meister macht

Heute gibt es Zeugnisse. Manche Eltern werden sich wieder fragen: «Warum hat mein Kind die Klasse nicht geschafft, obwohl es das ganze Schuljahr zur Nachhilfe gegangen ist?» Auf diese Frage weiß Anna-Elisabeth Körper eine Antwort. Die 50-jährige Immenstädterin arbeitet als Lerntherapeutin. «Ein solcher Fall ist typisch», sagt die dreifache Mutter, «das Kind oder der Jugendliche hat jeden Tag neu mit dem Fachwissen gekämpft. Was ihm aber fehlt, ist ein sogenanntes Arbeitsgedächtnis».

Fakten speichern braucht Methode

An diesem Punkt setzt eine Lerntherapie an. Keiner kann Fakten speichern, ohne eine Methode zu haben, das Wissen im Kopf zu ordnen und abzulegen - und es dort auch wieder zu finden und abzurufen. Mancher muss sich darüber keine Gedanken machen, da dieser Prozess von klein auf wie selbstverständlich funktioniert. Andere brauchen dagegen Hilfe oder «einen Stups in die richtige Richtung», wie Körper es nennt.

Wenn ein Kind in ihre Praxis in Immenstadt kommt, beginnt sie immer mit einer Lernpotenzialerfassung. «Jedes Kind hat andere Potenziale und Probleme und braucht individuelle Hilfestellung», sagt die 50-Jährige. Auch zu Eltern und Lehrern hält sie intensiv Kontakt, um ein umfassendes Bild von ihrem Schüler zu erhalten.

Der Unterschied zur klassischen Nachhilfe ist, dass die Therapeutin die grundlegende Ebene des Lernens trainiert und nicht die fachliche. «Weit weg vom expliziten Schulstoff übe ich mit den Schülern vier kognitive Grundfertigkeiten: Analytisches Zerlegen, Vergleichen, Kategorisieren und Raumorientierung», erklärt Körper. Sind diese Prozesse erst einmal verinnerlicht, kann man sie auf jeglichen Schulstoff und auf das tägliche Leben anwenden. Eine erfolgreiche Lernförderung dauert in der Regel 15 bis 18 Monate bei zwei Unterrichtsstunden pro Woche.

Kein Grund zum Schämen

Eine Lerntherapie ist nichts, wofür man sich schämen müsste, weiß Körper. Sie hat in ihren mehr als zehn Jahren Berufserfahrung auch hochbegabte Kinder betreut, die ihre Kompetenz einfach nicht richtig nutzen konnten. Dass nur Kinder mit Lernstörungen wie einer Rechenschwäche oder Legasthenie eine Förderung brauchen, ist ein falscher Volksglaube. «Ich hatte auch schon einen 40-jährigen Meisterschüler oder Studenten, die meine Hilfe in Anspruch genommen haben», sagt Körper.

Für eine erfolgreiche Schullaufbahn zählt vor allem Eines: Ein Kind sollte seine natürliche Neugier nie verlieren. «Man ist nur dann für die Schule motiviert, wenn man selbstbewusst ist. Dafür braucht es Erfolge», sagt die Lerntherapeutin und dreifache Mutter. Wenn ein Kind nicht weiß, wie es lernen muss und durch schlechte Noten Misserfolge erlebt, verliert es diese Motivation.

Dann kann es von der Lernblockade bis zur Totalverweigerung kommen. «Ein Teufelskreis», meint Körper.

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