November 2019
Special November SPECIAL

Depression
Wenn sich im Herbst die Seele verdunkelt

Depression (Symbolbild)

Neutrauchburg (rau). - Morgens auf dem Weg zur Arbeit ist es noch dunkel, abends beim Heimkommen schon wieder. Der Nebel hängt auf den Ästen der Alleebäume und der Gehweg ist rutschig vom abgefallenen Laub. Solch ein typischer Herbsttag bringt manchen in melancholische Stimmung. Den meisten Menschen gelingt es, mit der Melancholie fertig zu werden. Einige aber entwickeln in dieser Jahreszeit eine Depression und müssen sich nach Angaben von Dr. Johannes Vogler, Chefarzt der Klinik Alpenblick der Waldburg-Zeil-Kliniken in Isny-Neutrauchburg, sogar in klinische Behandlung begeben.

Saisonal abhängige Depression, kurz SAD, nennt sich wissenschaftlich das, was laut Vogler allgemein unter Winterdepression bekannt ist. Sie trete nördlich des Äquators auf, umso häufiger, je nördlicher das Land liege. Ungefähr jeder Zehnte leide in Deutschland unterschiedlich schwer an dieser seelischen Erkrankung, die die Lebensqualität der Betroffenen massiv beeinträchtigen könne. Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Grübeln, Kraftlosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten gehören zu den Merkmalen der Krankheit, erläutert Vogler. 'Betroffene wissen aber oft nicht, dass sie daran erkrankt sind', sagt der Chefarzt. Die Erkrankten hangeln sich ihm zufolge durch die Jahre, schieben körperliche Symptome auf andere Krankheiten, machen sich Vorwürfe ob ihrer vermeintlichen Faulheit und versuchen sich vielleicht selbst mit Medikamenten und Alkohol aus dem Tief zu ziehen. Oft sei die Arbeit der letzte Rettungsanker, an den sich Betroffene klammern. Andererseits könne gerade die berufliche Situation mit ausschließlich Kunstlicht am Arbeitsplatz, Konkurrenzdruck und Angst vor Kündigung den Druck auf die Erkrankten erhöhen. Die Selbstwahrnehmung sei gestört und so könnten sich die Betroffenen schwer selbst einschätzen.

Zu erfahren, dass man unter dieser Depression leidet, sei ein erster Schritt auf dem Weg zur Heilung. 'Die Patienten profitieren davon, wenn sie um ihre Krankheit wissen', so Vogler. Und Angehörigen falle der Umgang mit ihnen dann ebenfalls leichter. Mit dem üblichen 'jetzt reiß dich mal zusammen', das SAD-Erkrankte so oft von ahnungslosen Verwandten und Freunden zu hören bekämen, sei ihnen nicht geholfen.

Die Heilungschancen bei SAD sind Vogler zufolge recht gut. Psychotherapie, medikamentöse Behandlung oder eine Kombination aus beidem erzielten gute Erfolge. Bei den SAD-Patienten der Klinik Alpenblick, einer Fachklinik für Psychotherapeutische Medizin und Psychosomatik, die zahlreiche Patienten aus der Umgebung hat, wird der Standort der Klinik mit wohldosiertem Training im Freien durchaus therapieunterstützend eingesetzt. Daneben spielen aber Bewegungstherapie sowie Kunst- und Musiktherapie eine große Rolle. Wichtig dabei ist laut dem Chefarzt die Gruppe, da Erkrankte ihre Erfahrungen gespiegelt sehen müssen und eine Bestätigung von außen brauchen.

Wer um seine Krankheit in minder schwerer Form weiß, kann seinen Angaben zufolge schon vor Beginn der dunklen Jahreszeit einen Ausbruch verhindern oder abschwächen. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, vitaminreiche Ernährung, körperliche Aktivitäten in jeder Form, Freizeitbeschäftigung die Freude macht und die Pflege von Freundschaften seien anerkannte Vorbeugemaßnahmen. Wenn das zu wenig ist, gebe es auch noch die Lichttherapie. Eine Stunde täglich im Licht der Therapielampe könne dem dunklen, die Seele bedrängenden Winter seine Schrecken nehmen.</p>

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