Konzert-Projekt
Wenn langmähnige Penner mit arroganten Klassik-Snobs spielen

Heute kann Ian Gillan, Frontmann der Rock-Supergruppe Deep Purple ('Smoke On The Water') und einer der Hauptakteure des Crossover-Projekts 'Rock meets Classic', nur drüber schmunzeln. Aber damals, 1969, war das für ihn noch ein schierer Albtraum. Da nahm sich Deep-Purple-Organist Jon Lord des ambitionierten Vorhabens an, eine Rockgruppe gleichberechtigt mit einem klassischen Sinfonieorchester in Szene zu setzen. 'Concerto For Group And Orchestra' hieß das eigens dafür von ihm komponierte (und auch als Album erschienene) Werk, das in Dirigent Malcolm Arnold auf Seiten der ernsten Muse – den wohl einzigen – Fürsprecher fand.

Ansonsten standen sich beide Parteien einander in abgrundtiefer Abneigung gegenüber, wie Ian Gillan erzählt. 'Auf der einen Seite wir, die ,langmähnigen Penner’, die mit Ausnahme von Jon kaum Noten lesen konnten. Auf der anderen Seite diese elitären, arroganten Klassik-Snobs, die sich für etwas Besseres hielten und keinerlei Verständnis aufbrachten für den ,Lärm’, den wir veranstalteten.'

Angeblich rettete Dirigent Arnold das Projekt, indem er den unwilligen Mitgliedern des Royal Philharmonic Orchestra in London während einer der wenigen Proben mit einer Brandrede förmlich ins Gewissen brüllte: 'Man hält Sie für das beste Orchester in ganz Großbritannien – aber Sie spielen wie ein Haufen Arschlöcher! Offen gesagt sind Sie es nicht würdig, mit diesen Männern auf der Bühne zu stehen! Also reißen Sie sich zusammen!'

Am Abend des 24. September 1969 ging dann alles unerwartet gut über die Bühne. Das Londoner Publikum feierte die Uraufführung in der Royal Albert Hall mit Ovationen im Stehen.

Heute sei alles ganz anders, versichert Ian Gillan. Wenn er und weitere vier Legenden der Rockmusik am 15. Januar bei 'Rock meets Classic' zusammen mit einem Sinfonieorchester auf der Big-Box-Bühne stehen, ist das nichts Provokantes oder Unerhörtes mehr.

Inzwischen bestünden die Klassik-Orchester aus jungen, weltoffenen Leuten, aus Musikern, die sowohl die Unterhaltungsmusik als auch die Klassik verstehen, zum Teil mit großem Interesse Studio-Jobs annehmen, wenn zum Beispiel eine Rock-Band mit einem ihrer Projekte auf die klassische Musik zugeht.

'Zudem haben diese Orchester-Musiker mittlerweile erkannt, dass wir Rocker uns ja zu einem nicht unerheblichen Maße auf die von ihnen geliebten Klassiker berufen.' Und noch eines hat Gillan beobachtet: 'Viele dieser Symphoniker agieren heute selbst wie Rockstars – das unartig-exzessive Benehmen in Hotelzimmern mit eingeschlossen.'

Die Vorzeichen stehen also besser denn je, dass die dritte Auflage von Rock meets Classic ebenfalls zum umjubelten Erfolg wird. Der Rock-Musiker Mat Sinner hat einmal mehr das Programm zusammengestellt. Er schnitt Evergreens der Rock-Geschichte auf das U-/E-Fusion-Format zu.

Interpretiert wird das Ganze von Ian Gillan sowie Chris Thompson (Manfred Mann’s Earthband), Jimi Jamison (Survivor), Robin Beck und dem Toto-Meistergitarristen Steve Lukather. Außerdem spielt die Mat Sinner Band und das Bohemian Symphony Orchestra Prag unter Leitung von Bernard Fabuljan (der übrigens musikalischer Leiter des zweiten Ludwig-Musicals in Füssen war).

Karten für das Konzert in der Big Box Allgäu in Kempten am Sonntag, 15. Januar (19 Uhr), in Kempten gibt es bei den Service-Centern unserer Zeitung, Telefon 01805/132 132, sowie in der Big Box (Telefon 08 31/570 55-33).

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