Haldenwang
Wenn Heimatgeschichte plötzlich gegenwärtig wird

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Wenn Anton Klotz sich entspannen will, schneidet der Haldenwanger Bürgermeister keine Buchsbäumchen zurecht und sammelt auch keine Überraschungseier, wie er augenzwinkernd an die Hobbys von Amtskollegen erinnert. Er vergräbt sich lieber in heimatgeschichtliche Dokumente. Dieser Liebe widmet er sich schon Jahrzehnte - und hat das auch für sein Leben nach der Bürgermeisterzeit vor.

Schon der elfjährige Anton wurde von seinem damaligen Lehrer Franz Flach in der Volksschule Börwang mit dem «Virus» angesteckt. Der intelligente und gebildete Pädagoge habe seine Schüler schon in den 60er Jahren in die Natur geführt und heimatgeschichtliche Zusammenhänge erklärt. Und so weiß der 56-Jährige natürlich genau Bescheid darüber, dass die Rosette im Haldenwanger Wappen aus dem Konventswappen des Klosters Ottobeuren übernommen wurde, dem Königin Hildegard ihren Besitz zu Haldenwang einst schenkte. Er weiß auch, dass die Königin mit 25 Jahren 783 bei der Geburt ihres neunten Kindes starb, dass für das fürstäbtliche Schloss Wagegg ein prunkvoller Lustgarten geplant war (dessen Entwurf als Ölbild den Aufgang zum Fürstensaal der Kemptener Residenz ziert) und dass ein Gemälde des bedeutenden Historienmalers und Sohnes Haldenwangs, Johann Georg Hiltensperger, in der Eremitage in St.

<p class='nurwennwerbung'>Petersburg hängt. Die Hiltensperger-Entdeckung machte Klotz selbst bei einem Besuch in St. Petersburg, und es hat ihn tief beeindruckt, ein Werk des Haldenwangers in der Nähe eines Rembrandts bewundern zu können.</p>

Bevor der frühere Journalist und AZ-Mitarbeiter 1990 zum Bürgermeister gewählt wurde, sichtete er die heimatgeschichtlichen Aufzeichnungen von Franz Flach und Josef Welle, überarbeitete sie redaktionell und bereitete sie zur «Chronik der Gemeinde Haldenwang» auf, die in einer Auflage von 1200 Exemplaren erschien. Sie um die Jahrzehnte von 1990 bis heute zu ergänzen und neu herauszubringen, hat sich Klotz für seine Jahre als Ruheständler vorgenommen.

Davor aber soll für den alten Teil des Kaplanhauses eine heimatkundliche Sammlung zusammengetragen werden - «eine interessante Aufgabe», sagt Klotz. Dort wird dann auch sicher eine Fahne ihren Platz finden, die der 56-Jährige hütet wie seinen Augapfel. Das gut erhaltene Stück hat einen weiten Weg hinter sich: 1915 als Fahne des Krankenunterstützungsvereins gesegnet und 1945 von den Amerikanern «entführt», kam sie 1996 nach Haldenwang zurück. Ein Neffe des US-Soldaten, der sie mit nach Amerika genommen hatte, erbte sie. Mit der Fahne hat es ihn an einen Arbeitsplatz auf dem Frankfurter Flughafen verschlagen, von wo aus er Kontakt mit Klotz aufnahm und ihm die Fahne zurückbrachte. Das sind die Geschichten, die dem Heimatkundler besonders viel Freude bereiten.

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