Sonthofen
Wenn Götter auf Erden Verwirrung stiften

Mit dem Lustspiel «Amphitryon» von Heinrich von Kleist gastiert die Theaterproduktion Hoffmann-Wacker aus Hanau am Montag, 26. Oktober, in Sonthofen. Das Stück entstand 1803 und handelt von dem Verwirrspiel, das entsteht, als Göttervater Jupiter beschließt, sich in der Gestalt des Amphitryon dessen Frau für eine Liebesnacht zu nehmen.

Die Schauspieler Ingrid Hoffmann und Franz Wacker haben sich vor sechs Jahren selbständig gemacht und mit Kollegen verschiedene Stücke auf die Beine gestellt, mit denen sie dann auch in Deutschland unterwegs waren. Eines davon ist das Lustspiel Kleists, in dem es vor allem um das Problem der Identitätsfindung geht. Stefan Nowicki sprach mit Franz Wacker über das Stück und das Ensemble.

Herr Wacker, seit 2003 gibt es die Theaterproduktion Hoffmann-Wacker. Sie arbeiten zusammen mit Ingrid Hoffmann freiberuflich als Schauspieler. Wie ist diese Freiheit zu verstehen?

Franz Wacker: Wir haben über 20 Jahre in Berlin gelebt und dort gespielt. Dann sind wir nach Hanau gegangen, da meine Frau von hier stammt. Die Situation dort führte zu der Idee, selber etwas zu produzieren. Als Aufführungsort entdeckten wir dann die Burgruine Schloss Auerbach in Bensheim an der hessischen Bergstraße. Dort entwickeln wir jährlich ein neues Stück und gehen dann damit auf Tournee.

In der Theaterproduktion sind Sie Schauspieler und Regisseur. Kommt man da nicht in Konflikte mit sich selbst?

Franz Wacker: Als Regisseur muss man lernen, dass man, sobald man auf der Bühne steht, Kollege ist. Man muss zu 100 Prozent da sein und kann das Stück nicht gleichzeitig verfolgen. Das ist nicht immer leicht.

Haben Sie ein besonderes Ziel?

Franz Wacker: Wir wollen dem Autor gerecht werden, das, was der Autor mit dem Stück wollte, herauskristallisieren und dem Publikum leicht verständlich machen.

Wie ist das bei Kleists «Amphitryon»?

Franz Wacker: Das ist eine sehr schwierige Sache. Die Irritationen zwischen den Entscheidungen von Herz und Verstand. Wem vertraut man nun? Das kennt das Publikum bei sich selbst. Es geht um Liebe und um die Aspekte in einer Beziehung. Die Götter lösen Irritationen aus, und so kommt es immer wieder zu auch amüsanten Momenten.

Was ist Ihrer Meinung nach die dankbarere Rolle, Jupiter oder Amphitryon?

Franz Wacker: Das kann man so nicht sagen. Der Jupiter ist komischerweise, obwohl er sehr hochnäsig ist und alles durcheinanderbringt, weniger sympathisch. Amphitryon hat da mehr Sympathien, weil er eigentlich nur sein Recht einfordert.

Finden Sie leicht Kollegen, die bei Ihnen mitmachen möchten?

Franz Wacker: Es ist heutzutage komplizierter geworden, da viele Kollegen zusätzlich jobben müssen und ihre Jobs nur schwer aufgeben können, um mit auf Tournee zu gehen.

Ist die über zweihundert Jahre alte Sprache Kleists und der in einem festen Versmaß verfasste Text heute nicht ein Hindernis für viele im Publikum?

Franz Wacker: Nein, wenn man viel mit dem Text arbeitet und als Schauspieler erkennt, wie genau und ganz präzise gewollt Kleist etwas formuliert, dann kommen die Emotionen, die er vermitteln will, fast von alleine, und das Publikum versteht, weil der Schauspieler es verstanden hat.

Was, würden Sie sagen, ist das wesentliche Thema des Stückes?

Franz Wacker: Wesentlich ist, denke ich, wenn jemand in Gefühlsnöte kommt und versucht damit klarzukommen. Alkmene verlässt sich ja hundertprozentig auf ihr Gefühl und bringt andere damit in Nöte. Das darf man so eigentlich nicht machen. Dazu kommt das Problem, wer man eigentlich ist.

Plötzlich steht man sich selbst gegenüber und man muss begreifen, wer man eigentlich ist, was einen selbst ausmacht, um den Beweis der eigenen Identität zu führen. Und wie die Götter sozusagen demontiert werden.

Aufführung: Die Theaterproduktion Hoffmann-Wacker präsentiert das Lustspiel «Amphitryon» von Heinrich von Kleist am Montag, 26. Oktober, um 20 Uhr im Sonthofer Haus Oberallgäu. Karten sind im Gästeamt im Rathaus, Telefon 08321/615-291, oder an der Abendkasse ab 19 Uhr erhältlich.

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