Krimi
Wenn einem das Chi abhaut

«Best of Klufti» nur mit Kobr, ohne Klüpfel? Kaum einer überlegte lange, ob er seine Karte zurückgeben soll, als er am Eingang ins Kaminwerk erfuhr, dass die Augsburger Hälfte des Bestsellerautoren-Duos krankheitshalber nicht angereist war. Und so hatte der Memminger Michael Kobr ein Solo-Heimspiel («Die lustigsten Stellen sind eh von mir»), ganz ohne den üblichen Schlagabtausch, der den Saal normalerweise erst richtig zum Kochen bringt - und am Ende den donnernden Applaus des bestens unterhaltenen Publikums ganz für sich.

Schon mit seinem Einstieg «keine Sorge, Volker ist nicht bei Dr. Langhammer in Behandlung» kitzelte Kobr die ersten Lacher heraus. Ein literaturwissenschaftliches Seminar zur kompletten Allgäukrimi-Reihe drohte der gelernte Lehrer den Kluftinger-Fans schelmisch an - die per Buchstabenkeks-Zufallsgenerator ausgewählten Kabinettstückchen, die er ihnen dann auftischte, waren aber eher aus dem Fach Vergnügungskunde. Schallendes Gelächter begleitete ihn dabei von Szene zu Szene. Oder über kleine Hürden hinweg, die er sonst mühelos im Wechsel mit seinem Schreib- und Lesepartner nimmt: Trinkpausen etwa - die füllte er mit Fernsehserien-Ohrwürmern aus dem i-Phone - oder Versprecher («Gut, dass er das jetzt nicht gehört hat»).

Fünf Mal ging der Allgäuer Kult-Kommissar seit 2003 auf Ermittlungstour. Markenzeichen aller bisher erschienen Bücher sind die urkomischen Situationen, in die der bauernschlaue Grantler immer wieder tappt. Vor allem dafür lieben ihn Millionen Leser. Und die Zuhörer im Saal, die sich gerne noch einmal daran erinnern ließen, wie Klufti sich in der Dessous-Abteilung für seine Erika statt eines (zu) teuren Bademantels eine mittelgroße Reizunterwäsche aufschwatzen lässt; wie er als Meister des Feuers mit Angst vor der Flamme am Gasgrill versagt; wie ihm das Chi abhaut, weil er sich am Alatsee nicht richtig in den «der mit dem Wald lebt» einfühlen kann; wie ihn der Langhammersche «Verkehr» im Hotel-Nachbarzimmer in Kampfstellung bringt; oder wie er - ein Klassiker - im modernen Spaßbad nach dem größten anzunehmenden Badehosenunfall auch noch von einem schwarzen Loch verschluckt wird.

Dass sich Kluftinger in Memmingen sicher ganz wohl fühlen würde, weil ihm zumindest das hier nicht passieren könnte, quittieren die Maustädter mit Johlen.

Als Sahnehäubchen gibts noch die besten Leserbriefe obendrauf, in denen sich nicht nur ein Lutz B. aus MM im A. («Sind Sie da, Herr B.?») als pingeliger Wortklauber aufspielt.

Und was Kobr so erlebt, wenn er mal ohne seinen Kumpel durch Deutschland touren muss, können alle, die an diesem Abend nicht dabei waren, auch im neuesten Klufti-Blog erfahren (den der Kommissar selbst wahrscheinlich mit ck schreiben und vergeblich in der Schreibtischschublade suchen würde).

 

So gehts wenn - krankheitsbedingt - nur eine Hälfte eines eingespielten Duos auf der Bühne ist: Seine Trinkpausen untermalt Autor Michael Kobr mit Fernsehserienmusik aus dem i-Phone. Foto: Brigitte Hefele-Beitlich

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