Kaufbeuren / Buchloe
Wenn der Alkohol das tägliche Leben bestimmt

Stolz präsentiert Günther Bilder seines ersten Kindes. Vor Kurzem ist er Vater geworden und vor allem Britta Braunmüller und Dr. Wolfgang Krahl von der Caritas Kaufbeuren freuen sich für den Mann. Denn der 46-Jährige ist trockener Alkoholiker und gekommen, um die Menschen, die ihn auf dem Weg aus der Abhängigkeit begleitet haben, an einem weiteren Meilenstein in seinem Leben teilhaben zu lassen. Seit November 2006 ist Günther (Name des Betroffenen von der Redaktion geändert) weg von der Flasche, davor hat er fast 20 Jahre lang täglich getrunken. Wann genau es anfing, kann Günther nicht sagen, aber als Student habe er gerne gefeiert und daraus wurde irgendwann immer mehr. Ein bis zwei Flaschen Schnaps und unzählige Bier habe er dann täglich zu sich genommen.

«Der Prozess geht schleichend voran, am Ende hatte ich aber wirklich gar nichts mehr.» Erst der Verlust des Führerscheins, dann der Arbeitsstelle - alles war Günther egal. Auch über seine Familie und seine Gesundheit machte er sich keine Gedanken mehr. «Erst als ich ganz unten angekommen war, keimte ein letztes Fünkchen Hoffnung in mir auf.» Er hatte von der Caritas gehört und kam zu einer der Gruppensitzungen. Doch der 46-Jährige war skeptisch. «Die sagen mir Trinken ist schlecht, aber das weiß ich ja schon», so dachte Günther anfangs. Doch er blieb, absolvierte eine ambulante Therapie und hat den Dämon Alkohol besiegt. «Heute bezeichne ich meine Alkoholsucht als fatale Beziehung. Am Anfang ist es wunderschön, dann kommt der Alltag und am Ende ist es nur noch Horror. Gut, dass das beendet ist.»

Rund 450 Alkoholabhängige suchen laut Britta Braunmüller jährlich die Suchberatungsstelle der Caritas auf. Neben Kaufbeuren hat die Einrichtung noch eine Außenstelle in Füssen und bietet regelmäßige Sprechstunden in Buchloe an. Bis die Suchtkranken zur Behandlung kommen, sei es aber oftmals ein sehr langer Weg. «Wenn man sich auf eine Wanderung begibt, muss man vorher ja auch erst einmal planen: Wo will ich hin, wie stell ich das an und klappt das auch alles», erklärt Wolfgang Krahl, Teamarzt der Caritas. Der Weg aus der Abhängigkeit ist lange und beschwerlich. Nach dem eigentlichen Entzug im körperlichen Sinne, der im Krankenhaus stattfindet, folgt die sogenannte Entwöhnung. «Dabei lernen die Patienten, im Alltag ohne Alkohol klarzukommen. Für viele war das Hochprozentige eine Medizin, die sie zum Leben brauchten», so Krahl.

Besonders erschreckend ist für Britta Braunmüller allerdings die Zahl der jungen Alkoholabhängigen, die weiter steigt. «Wir betreuen mittlerweile fast 100 junge Erwachsene zwischen 14 und 25 Jahren. Die meisten davon sind sogar schwerstabhängig.» Der Grund dafür seien mehrere Faktoren, so Braunmüller. Zum einen kämen Jugendliche zu leicht an Alkohol. Modeerscheinungen wie Komasaufen ebneten zudem den Weg in die Sucht.

Wichtige Präventionsarbeit

Die wichtige Präventionsarbeit kann die Caritas aber nicht leisten. «Das haben die Kommunen übernommen. Wer zu uns kommt, ist bereits abhängig», erklärt Braunmüller. Aber auch wenn jemand rückfällig wird, ist er willkommen. «Alkoholismus ist eine schwere chronische Krankheit, die immer wieder ausbrechen kann. Aber selbst wenn man zwei oder sogar drei Anläufe dafür braucht, man darf sich nur nicht aufgeben.»

Weitere Informationen zu den Angeboten der Caritas unter der Telefonnummer: (08341) 971217.

www.caritas-kaufbeuren.de

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