Kaufbeuren
Wenn Betrunkene am Steuer sitzen

Thomas Maier und Thomas Wegst wirken ein wenig ratlos. «Wir haben keine Erklärung», sagen die beiden Polizisten. Es geht um die Unfallzahlen des ersten Halbjahres in und um Kaufbeuren. Und die haben weiter zugenommen - obwohl sie in Bayern und Schwaben generell rückläufig sind. 746-mal hat es im Bereich der Kaufbeurer Polizeiinspektion zwischen Januar und Juni gekracht, im vergangenen Jahr waren es im gleichen Zeitraum 660 Unfälle. Vor allem die Kleinunfälle, also Parkrempler oder Auffahrunfälle, trüben die Bilanz: Sie sind von 335 auf 416 gestiegen. «Eigentlich sollte man meinen, die Leute fahren in Zeiten knapper Kassen vorsichtiger», meint Wegst. Er sieht einen anderen Ansatzpunkt: Er vermutet, dass inzwischen mehr Unfälle und Zusammenstöße gemeldet werden - um über die Schadensmeldungen an Geld zu kommen.

Maier ärgert sich aber über eine andere Zahl: 18 Unfälle passierten, weil die jeweiligen Fahrer alkoholisiert am Steuer ihres Wagens saßen. «Jeder Unfall dieser Art ist einer zu viel», sagt der Leiter der Polizeiinspektion. 92 Autofahrern sei im ersten Halbjahr daher der Führerschein genommen worden. Die Dunkelziffer sei riesig. Maier: «Da schlummert enormes Gefahrenpotenzial auf unseren Straßen.»

Die Aufklärungsarbeit der Polizei konzentriere sich seit Jahren speziell auf Alkohol im Straßenverkehr. «Aber es gibt Leute, die sind in gewissem Maße unbelehrbar», erklärt Wegst. Dies gelte auch für die Anschnallpflicht und das Verbot von Handys am Steuer. Doch die Präventionsarbeit der Beamten sei auch von Erfolg gekrönt: 25-mal haben die Polizisten heuer bereits Betrunkene vor möglichen Alkoholfahrten bewahrt.

«Wir haben sie zum Beispiel vor Gaststätten kontrolliert und ihnen anschließend die Fahrt untersagt», erklärt Wegst weiter.

Weitere Ursache für die Unfälle auf den Straßen ist nicht angepasste Geschwindigkeit. Wegst: «Jeder, der einen Unfall baut, ist irgendwie zu schnell gefahren.» Und Maier ergänzt: Vielen Menschen fehle es am richtigen Zeitmanagement und daher auch an Ruhe und Geduld. «Das ist gefährlich», sagt er.

Auch die Unfallfluchten bleiben ein Sorgenkind. 144 waren es bisher (2008: 122). Einziger Lichtblick: Die Beamten freuen sich über eine tolle Aufklärungsquote. In 60 der 144 Fälle wurden die Unfallfahrer wenig später ermittelt und angezeigt. Das sind über 40 Prozent.

Bei zwei Unfällen gab es heuer Tote zu beklagen: Ein 22-jähriger Radfahrer starb im April in Obergünzburg, ein 18-jähriger Fußgänger wurde im März auf dem Weg zu einem Konzert in der Mauerstettener Straße in Kaufbeuren angefahren und erlag wenig später den Folgen. Bei 127 der 746 Unfälle im ersten Halbjahr wurden Menschen verletzt, 37 schwer und 138 leicht. Damit sind auch diese Zahlen gestiegen, denn im ersten Halbjahr 2008 verzeichnete die Polizei 29 Leicht- und 126 Schwerverletzte.

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