Konzert
Weltmusik mit Niveau - Klangwelten in Kempten

Durch 'Klangwelten' reisten die Zuhörer im Kornhaus. Harfenist Rüdiger Oppermann war bereits zum 25. Mal unter diesem Motto mit Musikern der ganzen Erde unterwegs. 'Dialog der Kulturen' – so etwas wie das 'Haus International' gebe es in den meisten Städten gar nicht, wo er spiele, stellte Oppermann den Veranstalter heraus. Die exotischsten Gäste waren diesmal zwei junge Inuit-Mädchen aus der Arktis. 'Katajaq' (sprich 'Katadschak') heißt einer spezieller Vokalstil aus dem Eis. Dabei werden die Geräusche des Atems und der Stimme von zwei Personen sehr archaisch verzahnt. Wie eine Mischung aus Liebesspiel und Dampflok klang es. Kunst ganz an der Basis des Lebens. Den Kontrast dazu setzte Park Stickney. Der Amerikaner spielt Jazz auf der Harfe wie kein Zweiter. Da Halbtöne (alle schwarzen Klaviertasten) auf der Harfe über Pedale geschaltet werden, rast er mit den Füßen wie ein Organist. Über den chromatischen Bassgang von 'music for a while' von Purcell improvisierte er sich in Fahrt.

Aus Indonesien kamen zwei Musiker, die Trommeln und Gamelan vorstellten. Mit einem Hämmerchen werden die Metallplatten angeschlagen, mit der anderen Hand abgedämpft, damit es keinen Klangbrei gibt. In halsbrecherischem Tempo ergeben zwei verschiedene Muster eine Melodie.

Aus der Mongolei stammt Enkh Jargal, langjähriger Freund und Wegbegleiter Oppermanns. Einen schier unglaublichen Tonumfang entlockt er seiner Stimme.

Glasklare Obertöne

Das abgrundtiefe Knarren kennt man auch von tibetischen Mönchen. Glasklar pfeifen die Obertöne. Und über die Spitzen würde jeder Jodler neidisch. Dazu streicht er die Pferdegeige. Terrence Ngassa aus Kamerun war als virtuoser Trompeter und Sänger zu hören. Rhythmus-Teppiche legte mit den indischen Tabla-Trommeln Jatinder Thakur, mit dem Oppermann seit 29 Jahren musiziert.

Solo und in verschiedensten Kombinationen hörte man diese Musiker, von denen jeder einen Abend füllen konnte. Organisator Oppermann nahm sich angesichts dieser Vielfalt selbst zurück, legte nicht nur an seiner Metallsaiten-Harfe, sondern auch beim Gamelan oder an der Trommel Hand an.

Nach der Pause eröffneten sie das Konzert mit geriebenen Weingläsern. Auch das hatte Esprit und Niveau. Zwischendurch durften die Zuhörer mitsingen und mitklatschen und tauchten beim mongolischen Adler-Lied oder mit indonesischer Percussion aktiv in die Weltmusik-Atmosphäre ein. Wie sich fremde Kulturen befruchten und bereichern können, das sei an der Musik wunderbar zu erleben. Dieser Gedanke Oppermanns wurde an diesem Abend klingend in die Tat umgesetzt.

Beeindruckten im Kornhaus mit ihren 'Klangwelten': (von links) Terrence Ngassa aus Kamerun (im Hintergrund Rüdiger Oppermann), zwei Inuit-Frauen (Mitte) und Enkh Jargal aus der Mongolei (mit Pferdeharfe). Fotos: Jörg Schollenbruch

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