Zams
Weitwandern voll im Trend: Auf Hütten kann es engwerden

Oberstdorf-Meran: Zwei Ortsnamen stehen für die größte Wanderbewegung im Alpenraum. Vergangenen Sommer waren wieder rund 8000 Menschen auf der Route, dem E 5, unterwegs - nach Angaben von Bergführern und Hüttenwirten so viele wie noch nie zuvor. Ursache dafür sei der Modetrend Wandern, hieß es beim «Alpinforum», zu dem sich im Tiroler Zams Vertreter von Bergschulen, Alpenverein und Tourismusorganisationen sowie Hüttenwirte trafen.

Eines der Probleme: Inzwischen sind auf der Route so viele Wanderer unterwegs, dass manchmal auf den Hütten kaum mehr Platz ist. Zudem seien viele Wegabschnitte in schlechtem Zustand, kritisierte der dienstälteste Bergführer im Allgäu, Udo Zehtleitner. Auf seine Initiative hin fand das «Alpinforum» statt.

Nach Schätzung von Experten sind in den vergangenen 30 Jahren rund 100000 Wanderer von Oberstdorf nach Meran gewandert. Dabei hätten sie ingesamt rund 20 Millionen Euro ausgegeben - in Hütten, Einzelhandelsgeschäften, Hotels und Pensionen. Manche Wegeabschnitte insbesondere in den Allgäuer und Lechtaler Alpen müssten dringend saniert werden, kritisierte Zehetleitner.

40000 Kilometer Wege

Dies könne vom Alpenverein aber nicht alleine geleistet werden, betonte Ulrich Kühnl, Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins (DAV). Der weltgrößte Bergsteigerverband habe ein 40000 Kilometer umfassendes Wegenetz zu betreuen.

Auch die Kommunen könnten nicht zusätzlich Geld bereitstellen, verdeutlichte Michael Schmidl, früherer Oberstdorfer Kurdirektor und jetzt Tourismusbeauftragter im Gemeinderat. Oberstdorf wende beispielsweise für den Unterhalt der 200 Kilometer Wanderwege in niedrigeren und mittleren Lagen 5000000 Euro jährlich auf.

Der Oberstdorfer Bergbahn-Chef Augustin Kröll rief alle Beteiligten dazu auf, das Thema Wegeunterhalt als «gemeinsame Aufgabe» zu begreifen. Sonst, so Udo Zehetleitner, würden die Bergbegeisterten möglicherweise statt ins Allgäu nach Südtirol fahren, wo mehr für die alpine Infrastruktur getan werde.

Überfüllte Hütten sind ein weiteres Problem, das beim «Alpinforum» ausgiebig diskutiert wurde. Als Nadelöhr erweist sich die Memminger Hütte in den Lechtaler Alpen. Der Stützpunkt ist auf 120 Gäste ausgelegt, oft müssen aber bis zu 200 Wanderer untergebracht werden. Die Hütte soll laut DAV-Sektion Memmingen nicht erweitert werden, eine teilweise Verlegung der Route mit Übernachtung auf anderen Stützpunkten könnte aber eine Entlastung schaffen.

Der Bergwander-Boom hat auch dazu geführt, dass immer häufiger Wanderer unterwegs sind, die nicht trittsicher und mit der Tour überfordert sind. «Die Qualität der Wanderer hat nachgelassen», so Martin Braxmair, Wirt der Kemptner Hütte. Es habe auf dem Weitwanderweg E5 noch nie so viele gegeben, die eindeutig überfordert seien und teilweise sogar schon nach der ersten Etappe aufgeben.

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