Illerbeuren
Weiteres Kleinod

Im Illerbeurer Bauernhofmuseum ist am Wochenende ein weiteres Kleinod eröffnet worden: Ein fast 350 Jahre altes, kleines Haus (Sölde) eines Schneiders aus Siegertshofen, westlich von Augsburg in den Stauden gelegen, war abgebaut, transportiert und im Museum wieder aufgebaut worden (die MZ berichtete). Nun steht es, im vermuteten Zustand um 1870, im mittelschwäbischen Bereich des Areals.

Museumsdirektor Dr. Otto Kettemann begrüßte jetzt zahlreiche Gäste aus Politik, Kunst, Heimatpflege und den beteiligten Firmen. Mit Bezug auf die aktuell öffentlich geführte Diskussion sagte er süffisant: «Willkommen hier am Rande Schwabens, oder soll ich sagen: Allgäu?»

Die geplante Attraktion der Eröffnung, eine Vorführung der Eindeckung des Daches mit Stroh, fiel aus. Und so präsentierte sich die Sölde mit einem Plastikdach. Doch das war, von innen betrachtet, gar nicht so schlimm. Dem Besucher vermittelt das viele Licht durch die Planen einen herrlichen Blick auf die schöne, einfache Architektur des Dachstuhles. Zudem ist das Haus gegen den Regen geschützt.

Der Festgesellschaft kam das zugute, denn während der Ansprache von Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert musste sie wegen eines Schauers in die Tenne der Sölde flüchten. Das tat der feierlichen Stimmung keinen Abbruch. Reichert dankte dem ursprünglichen Besitzer, der Familie Auer, und den beteiligten Heimatpflegern. Für ihn habe Schwaben «ein Haus verloren und gleichzeitig gewonnen».

In die Zeit um 1668

Festredner Professor Dr. Walter Pötzl führte die Gäste in seinem Vortrag in die Zeit um 1668, in der die Sölde entstanden ist. «Sölde-Bewohner waren einfache Handwerker, die sich selbst versorgen mussten und oft wenig zum Leben hatten», erzählte er.

Pötzl zitierte auch aus den damaligen Vorschriften zur Moral, zur körperlichen Züchtigung in der Schule, zur Kirchenbesuchspflicht, zur Ausschankerlaubnis und dergleichen mehr, was sich für heutige Ohren amüsant anhört.

Besucher des Bauernhofmuseums könnten sich auf die Sölde freuen, hieß es. Das kleine Haus mit den niedrigen Decken, den engen Stiegen, den sichtbaren Mauer-, Flecht und Holztechniken sei ein Verweilen wert. Und wenn das Dach wie geplant mit Stroh gedeckt sei, werde sich die Sölde aus Siegertshofen harmonisch zu den anderen Gebäuden fügen.

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