Sulzberg
«Weiter mit dem Bauernaufstand»

Kämpferisch zeigte sich nicht nur das Kreis-Führungsteam des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) bei einer lebhaften Versammlung im Sulzberger «Hirsch». Auch die rund 350 Landwirte im Publikum untermauerten mit rhythmischem Klatschen, Hohngelächter und Zwischenrufen die Position ihres Bundesvorsitzenden Romuald Schaber, die in dem Aufruf mündete: «Lond it luck.»

Stehend, mit erhobenen Fäusten und anhaltendem Beifall, reagierten etwa 350 Landwirte auch auf die Aufforderung des Führungsteam-Mitglieds Herbert Dörfler, den «Bauernaufstand» fortzusetzen. Auch wenn vor allem der Deutsche Bauernverband (DBV) und sein Präsident Gerd Sonnleitner Zielscheibe von Kritik und Spott Schabers war, mahnte der Hauptredner doch zur Mäßigung. Einen Vorschlag aus den Reihen von Bauern, zu Tausenden bei Sonnleitner zu protestieren, lehnte er ab: «Die Gegenposition des DBV liegt nicht an einer Person, sondern am Verband, der eng mit der Milchindustrie verflochten ist», erklärte Schaber und forderte: «Hände weg vom BBV. Wir dürfen nicht öffentlich aufeinander losgehen.

» Vielmehr wolle der BDM weiterhin mit pfiffigen und wirksamen Aktionen auf die prekäre Lage der Milchbauern verweisen. Die Milch-Vernichtungsaktionen der letzten Wochen verteidigte Schaber zwar: «Wir mussten mit drastischen Mitteln auf unsere Situation aufmerksam machen.» Weil die Bauern aber die Unterstützung der Bevölkerung bräuchten, sollte dies seiner Ansicht nach nicht wiederholt werden.

Der Petersthaler dröselte die entgegengesetzten Positionen von BDM und DBV auf, die die Repräsentanten der Verbände bei einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel dargelegt hatten: Während der BDM eine Milchpolitik fordere, mit der nur so viel produziert werde, dass sich keine Überproduktion ergibt, fordere der BBV staatliche Unterstützung zur Finanzierung der Überproduktion.

«Wir wollen kein zusätzliches Geld, sondern vernünftige Rahmenbedingungen dafür, dass sich der Milchpreis gut entwickeln kann», schlug er eine flexible Anpassung des Angebots an die Nachfrage vor. Der Kanzlerin bescheinigte Schaber, gut auf das Fachgespräch vorbereitet gewesen zu sein.

In kleinen Schritten vorwärts

Dennoch sei er mit dem Eindruck zurückgekommen, dass in Berlin hauptsächlich DBV-Positionen vertreten worden seien. Der Petersthaler strahlte aber Zuversicht aus: Mit kleinen Schritten sei man auf europäischer Ebene vorangekommen: «Es sieht nicht ganz schlecht aus, wenn wir mit vollem Druck dranbleiben.» Immerhin seien mittlerweile 20 Landwirtschaftsminister für freiwillige Mengenstillegungen auf europäischer Ebene. Die nächste Gelegenheit für Aktionen der Milchbauern vor Ort, aber auch in ihren Heimatregionen biete die Ratssitzung in Luxemburg am 19./20. Oktober.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen