Kaufbeuren
Weit entfernt von der Schallmauer

In der Luft ist der Eurofighter mit bis zu zweifacher Schallgeschwindigkeit unterwegs. Am Boden überholen ihn heute Abend die Fußgänger. In Kaufbeuren geht zum dritten Mal seit 2005 ein Eurofighter auf seine Reise nach Manching. Der Luftwaffenschule diente das Fluggerät einige Jahre lang als Schulungsobjekt am Boden, nun wird er vom Hersteller EADS wieder flugfertig gemacht. Für die Bundeswehr, die Spedition Wocken und gut 25 beteiligte Behörden ist das trotz der Erfahrungen aus zwei ähnlichen Transporten eine logistische Herausforderung.

Für eine gewisse Gelassenheit steht heute wieder Detlef Möschk, der am Steuer des Sattelschleppers sitzt. Hinten auf der Ladefläche wird das 70 Millionen teure Fluggerät thronen. «Wenn Hektik aufkommt, passieren Fehler», sagt der Mann, der schon mehrfach Düsenjets und Hubschrauber chauffiert hat.

«Gefährlich wird es aber auch bei zu viel Routine.» Denn außergewöhnlich an dieser Fracht ist nicht nur der Wert, sondern auch die Spannbreite von elf Metern. Arbeiter haben das neun Tonnen schwere Fluggerät in den vergangenen Tagen transportfähig gemacht und auf dem Sattelschlepper mit Spanngurten befestigt. Der Rumpf liegt einzig auf Spezialsockeln.

Alle Handgriffe sitzen nach wochenlangen Vorbereitungen der Bundeswehrlogistik-Experten in Köln und des Personals der sogenannten Eurofighter-Kooperationszelle in Manching. Die Männer prüfen jetzt nur noch Halterungen, schrauben und kleben ab.

Der Jet muss über die Straße transportiert werden, weil er bisher als Schulungsobjekt diente, vielfach zerlegt, wieder zusammengesetzt wurde und deshalb nicht flugfähig ist. In Manching wird er von EADS auf den neuesten technischen Stand gebracht, erhält seine Verkehrszulassung zurück.

Dann wird er wieder einsatzbereit sein. «Sicherheitsrelevante Vorrichtungen» lässt die Bundeswehr vor der Fahrt demontieren oder abdecken. Die «Tailnumber», das Kennzeichen des Flugzeugs, wird nicht sichtbar sein, das Cockpit bekommt eine grüne Haube.

Modernstes Waffensystem eben. Die Demontage der Tragflächen hätte zwar die Fahrt deutlich erleichtert und verkürzt, aber die Vor- und Nacharbeit komplizierter gemacht, da der Eurofighter ein technisches Gemeinschaftsprojekt mehrerer Nationen ist. Die Finne, also das Seitenleitwerk, und die Triebwerke wurden abgeschraubt.

Zahlreiche Zuschauer dürfte es heute Abend geben. «Um 18 Uhr öffnet sich das Tor des Fliegerhorstes», sagt Harald Plöhn von der Pressestelle. Der Transport im Schritttempo durchs Stadtgebiet, auf der B 12 bis zur Anschlussstelle Jengen/Kaufbeuren an der A 96 sowie auf der Autobahn selbst wird die Wege etlicher Autofahrer verlängern, aber auch für Fotomotive sorgen.

Im Stadtgebiet würden Schilder und Ampeln demontiert, damit der Lastwagen durchkommt, so Thomas Wegst von der Kaufbeurer Polizei.

«Ein paar Baumäste wird man wohl auch mit Spanngurten wegbiegen müssen.»

Polizisten, Bundeswehrangehörige sowie Bauhof- und Speditionsmitarbeiter begleiten den Transport. Wegst rechnet nicht mit großen Zwischenfällen, da man bereits Erfahrungen sammeln konnte, mit allen Beteiligten jedes Detail besprochen hat und die Fahrt im Ostallgäu in den Abendstunden stattfindet. Trotzdem werde es entlang der Fahrtstrecke zu Sperrungen und Behinderungen kommen.

Ein noch unbekanntes Nadelöhr wird aber das Umfahrungssträßchen an der Baustelle für den Kreisverkehr in der Kemptener Straße darstellen. «Da wird es eng», sagt Möschk, «aber das schaffen wir.» Vorbereitung ist eben alles. Nur eines haben die Logistikexperten nicht im Griff: die Natur.

Beim letzten Mal musste der Transport auf der Strecke wegen eines Gewitters eine unfreiwillige Pause einlegen. Das Flugzeug musste wegen der Blitzschlaggefahr geerdet werden.

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