Festtage
Weihnachten in kurzen Hosen am Strand

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Oberallgäu Schnee, Christbaum, Geschenke, Festtagsbraten: So wird Weihnachten bei uns im Oberallgäu gefeiert. Wie Christi Geburt in anderen Ländern begangen wird, das erzählen Oberallgäuer mit Wurzeln in Kongo, Indonesien, Namibia und Australien.

Australien: Hochsommer

Derek Barber ist Australier. Ende der 80er Jahre ins Allgäu gekommen, lebt er heute mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Oberstdorf. Für ihn als «Aussie»ist Weihnachten ein Familienfest - das sei auch das Schönste daran, das Feiern mit Familieund Freunden.Für Deutsche schwer vorstellbar, gibt es auf dem Kontinent im Pazifik eine Besonderheit: In Australien ist an Weihnachten Hochsommer. «Weihnachtsbaum, Gänsebraten, beleuchtete Häuser und Vorgärten - wir haben alles dort, was es in Deutschland auch gibt», sagt der 49-jährige Derek Barber, «wir haben nur keinen Schnee». Und das Ganze läuft dann so ab: In der Nacht von 24. auf 25. Dezember kommt der Weihnachtsmann, der die Geschenke bringt - natürlich durch den Kamin. Bescherung gibt es in seinem Geburtsland am 25.

und geschlemmt wird beim Weihnachtsessen über den halben Tag. Manche würden auch ein Picknick in kurzen Hosen am Strand machen, oder den Grill im Garten anwerfen. «Etwas lockerer» geht es eben in Australien an Weihnachten zu. «Damit es schön ist, braucht man keinen Schnee. Wenn alle zusammen feiern, kommt es eben nicht auf das Wetter an», sagt der Familienvater.

Namibia: Typisch deutsch

«Wir feiern typisch deutsch, aber mit einem Weißdornbusch.» Michael Redecker hat erst mit 21 Jahren zum ersten Mal einen echten Tannenbaum gesehen. Damals, 1999, zog der Ofterschwanger Gästeamtsleiter von der Republik Namibia im südlichen Afrika zur Ausbildung nach Deutschland. Der Weißdornbusch, erinnert sich Redecker, wurde an Weihnachten genauso geschmückt wie eine Tanne.

Letzteres gibt es in Namibia inzwischen aus Plastik aufgestellt in Einkaufszentren oder als langlebiges Drahtgestell. Lebkuchen bestellte die Mutter - sie stammt aus dem Erzgebirge - in Deutschland, und beim Essen wurde an Heiligabend «groß aufgetischt». Die Familie ist die Feiertage über zusammen und es finden auch Christmetten in der Kirche statt. Und wem danach ist, der kann in Namibia auch Glühwein trinken. Laut Redecker machen das «wegen der Hitze» aber nur wenige.

Indonesien: Keine Geschenke

Obwohl in Indonesien nur etwa 15 Prozent Christen leben, ist die Weihnachtsstimmung sehr stark, berichtet Maharani Schaal. Die 37-Jährige lebt seit zehn Jahren mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Sonthofen. Wie in Deutschland, so geht es auch in Indonesien nach dem Abendessen in die Kirche.

Die Bekleidung ist oft schwarz oder schwarz-weiß, schildert Schaal. Ganz anders die Sache mit den Geschenken: Es gibt nämlich keine. «Wir feiern an Weihnachten einfach, dass Jesus der Welt als Menschenkind geboren wurde», betont die 37-Jährige. Die Toleranz sei in dem Land sehr hoch. «Wenn wir Christen feiern, dann teilen wir unser Essen mit unseren Moslem-, Hindu- oder Buddhisten-Nachbarn. Und wenn Muslime Ramadan feiern, dann bekommen wir auch süße Kekse. Das ist schön.»

Kongo: Mit viel Musik

Weil Gesang und Musik ein wichtiger Bestandteil der afrikanischen Kultur ist, wird natürlich auch an Weihnachten musiziert, schildert Alain Konda aus Immenstadt, der im Kongo aufgewachsen ist. Gefeiert wird in ganz großer Runde. Der Älteste hat die Leitung.

Die biblische Geschichte wird dabei erzählt, die große Party ist mit gutem Essen gespickt und geht oft bis zum Morgengrauen. Zu den Mahlzeiten gibt es traditionelle Speisen, wie Lemon-Huhn, Bananen, Fisch und Lamm mit Reis. Die Frauen kochen mit Begeisterung große Mengen. «So einen großen Stress wie ihn die Deutschen haben, gibt es im Kongo nicht. Stress ist ein großes Fremdwort», sagt Konda. Am Morgen des 25. Dezember bekommen die Kinder Geschenke. «Die bringt der Santa Claus, wird den Kindern gesagt». Doch es geht im Kongo um mehr als die Bescherung. Das Zusammenkommen in der Gemeinschaft stehe im Vordergrund, so Konda. (nic, chs, bil, fl)

 

 

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