Wehrdienstleistende statt Wanderer auf der Alpe

Immenstadtl feß l Eigentlich sieht die Obere Kalle aus wie eine ganz gewöhnliche Alphütte. Vor den grünen Fensterläden blühen Blumen, Bänke laden zum Verweilen ein und drum herum grasen Kühe. Nichts deutet darauf hin, dass die Alpe Obere Kalle eine ganz besondere Vergangenheit hat.

«Nein, eigentlich erinnert nichts mehr an diese Zeit», Älpler Bernhard Gomm schaut sich um. Dunkle Holzwände, ein paar Kuhglocken hängen über dem Tisch und eine Leine mit bunten Wäscheklammern ist quer durch den Raum gespannt. Plötzlich fährt Gomm leicht zusammen. «Doch, etwas gibt es noch», sagt er und geht ins Nebenzimmer. Dort hängen unscheinbar in der Ecke an der Wand zwei vergilbte Schießscheiben. «Die sind noch aus der Zeit, als die Alphütte von der Bundeswehr genutzt wurde», erzählt der Älpler. Denn bis in die 60er Jahr fuhren regelmäßig Soldaten der Bundeswehr Kempten ins südliche Oberallgäu zur Winter-Ausbildung. Teilweise campten sie in Biwaks vor der Hütte, machten Skikurse und Schießübungen rund um die Alpe. So hat man das Bernhard Gomm erzählt. «Man sieht sogar noch ein paar Einschusslöcher hier in der Nähe», verrät der Älpler.

Er selbst war damals noch nicht auf der Alpe. Erst 1980 zog es ihn und seine Familie in die Berge. Sein damaliger Vorgänger lebte in einer Hütte etwas weiter unten.

Dort wo heute Bernhard Gomm mit seiner Familie lebt, seine Gäste bekocht und beherbergt, verbrachte Jürgen Bay ein halbes Jahr. Von Januar bis Juni lebte der heute 65-Jährige als Hüttenwart auf der Alpe Obere Kalle. Als Wehrdienstleistender kam er zur Bundeswehrkaserne nach Kempten. «Ich wollte ins Allgäu, weil ich in die Berge wollte», erzählt er. Damals wohnte er in Stuttgart.

Richtig einsam hat er sich eigentlich nur einmal gefühlt. «Ich erinnere mich noch genau: Es hat zwei Wochen am Stück geregnet und ich saß nur in der Hütte rum», erzählt er. Da hat er dann die Hütte innen auf Vordermann gebracht. «Der Hüttenboden war schwarz und ich hab ihn so lange geputzt, bis er wieder seine ursprüngliche Farbe hatte», erinnert sich Bay.

Die restliche Zeit war er viel in den Bergen beim Wandern. Oft bekam er auch Besuch von Freunden - vor allem an den Wochenenden. «Wenn niemand da war musste ich nur morgens und abends eine Meldung nach Kempten machen, dass alles in Ordnung ist», sagt Bay. Denn da die Hütte von der Bundeswehr ausgebaut wurde, gab es von Beginn an Strom, Telefon und Fernsehen auf der Alpe. Zu seinem 60. Geburtstag hat er von seinem Sohn eine Fahrt zur Alpe Obere Kalle geschenkt bekommen.

«Viel verändert hat sich seitdem - vor allem außen - eigentlich nicht», findet er.

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