Sonthofen / Oberallgäu
Watschn für die Freundin und ein entblößter Hintern für die Polizei

Ein engmaschiges Netz von Bewährungsauflagen soll einen jungen Mann daran hindern, sich noch einmal derart zu vergessen, wie es jetzt vor dem Amtsgericht Sonthofen verhandelt werden musste. Mehrere Watschn für die frühere Lebensgefährtin, Randale gegenüber der Polizei, Beleidigungen und ein den Ordnungshütern entgegengestreckter entblößter Hintern beschrieb die Anklageschrift.

Dass Richter Andy Kögl die verhängte fünfmonatige Freiheitsstrafe ein allerletztes Mal zur Bewährung aussetzte, hat mit der Hoffnung des Vorsitzenden zu tun, den unter Alkoholeinfluss zur Aggression neigenden Angeklagten endlich zur Räson zu bringen. «Noch mal so was, und Sie wandern ein», lautete die allerletzte Warnung des Richters vor dem Knast.

Für die nächsten vier Jahre darf sich der junge Mann nicht das Geringste zuschulden kommen lassen. Er muss eine Geldbuße von 600 Euro an seine ehemalige Freundin zahlen. Er muss dem Alkohol abschwören und eine Anti-Aggressions-Therapie absolvieren. Denn es soll nicht wieder vorkommen, was geschehen war. Die frühere Lebensgefährtin, die ihr Baby dem Vater im Gerichtssaal allenfalls von Weitem zu sehen gab, will nichts mehr mit ihrem Verflossenen zu tun haben.

Zu bitter wirken offensichtlich noch immer die Ohrfeigen, die ihr der Ex-Freund verpasst hatte und die nach einem Sturz der damals schwangeren Frau eine Schädelprellung verursachten. «Es gehört sich nicht, eine Frau zu schlagen», bekannte der Verursacher vor Gericht. Im gleichen Atemzug entflammte allerdings erneut der Rosenkrieg der beiden, als sich der junge Mann mit der Frau im Zeugenstand ein kurzes Wortgefecht lieferte.

Dem Gericht und den Beteiligten servierte der Angeklagte eine Mischung aus Verzeihung heischendem Schuldeingeständnis und gleichzeitigen Vorwürfen. Diese galten den Polizisten, die ihn nach einem anderen Vorfall kurz nach dem Partnerstreit mit auf die Wache nehmen mussten. Er hatte die Beamten bei einem Einsatz behindert.

Den Uniformierten blieb laut ihren Zeugenaussagen nichts anderes übrig, als dem Störenfried Handschellen anzulegen und ihn in eine Arrestzelle zu befördern. Im Streifenwagen und auf der Inspektion ergoss sich, wie dargelegt wurde, ein Schwall von Beleidigungen über die Polizisten, wenngleich der junge Mann dies bestritt. Genauso wenig räumte er ein, dass er bei einer Durchsuchungsaktion in der Zelle die Hose runterzog und den Beamten die gespreizten Pobacken hinhielt.

«Das war widerwärtig», befand der Staatsanwalt, der den Angeklagten ohne irgendwelche Konzessionen im Gefängnis sehen wollte. Schließlich gibt es einschlägige Vorstrafen. Den Richterspruch akzeptierte der junge Mann hingegen sofort. Er verabschiedete sich per Handschlag vom Vorsitzenden - aber auch vom Staatsanwalt.

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