Terroranschläge
Was sich in der Stadt Kaufbeuren seit dem 11. September 2001 verändert hat

Es war der Tag, der die Welt verändert hat. Im Großen, aber auch im Kleinen. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 haben sich die Menschen auch in Kaufbeuren zu Gedenkgottesdiensten versammelt oder im Rathaus in ein Kondolenzbuch eingetragen. Mit Bitten und Worten, die Fassungslosigkeit ausdrücken.

Ja, sagt der evangelische Pfarrer Ralph-Gunter Nebas, damals habe auch in der Kaufbeurer Dreifaltigkeitskirche große Betroffenheit geherrscht. So mancher suchte noch intensiver das Gebet, zusätzlichen Halt im Glauben. Und heute, zehn Jahre später? << Auf Dauer sind die Menschen dadurch nicht gläubiger geworden, der Gottesdienstbesuch hat sich nicht verändert >>, sagt er. Dennoch gebe es auch in der Gemeinde sichtbare Zeichen der Veränderung. Die Gläubigen zum Beispiel, die sich in der Friedensbewegung engagieren, haben ihre Aktivitäten seitdem intensiviert.

Viel größer sind die Auswirkungen etwa in der Verwaltung. Immer wieder gebe es für die Mitarbeiter der Stadt Schulungen, in denen es darum geht, die Sensibilität zu wecken und mögliche Zeichen eines geplanten Anschlags frühzeitig zu erkennen, erklärt Bruno Dangel, Leiter der Abteilung für öffentliche Ordnung. Gerade im Pass- und Ausweiswesen setze man inzwischen verstärkt auf die Erfassung biometrischer Daten - nicht zuletzt durch den neuen Personalausweis im Scheckkartenformat.

Markus Trinkwalder hatte vor zehn Jahren gerade angefangen, im Ausländeramt der Stadt zu arbeiten. In den Jahren nach den Anschlägen wurde dort der bürokratische Aufwand immer größer. << Wir haben seitdem mehr Arbeit >>, sagt er. Die Bekämpfung des Terrorismus habe inzwischen eine neue Dimension erreicht, auch organisatorisch.

So müssen heutzutage alle Ausländer die aus bestimmten Herkunftsstaaten, etwa aus arabischen Ländern, nach Kaufbeuren ziehen oder sich einbürgern lassen wollen, zunächst einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen. Zwischen 20 Minuten und einer halben Stunde benötige man für diesen Akt. << Es geht dabei unter anderem darum, ob und in welchem Ausmaß die Antragsteller mit bestimmten Vereinen zu tun haben, die extremistischen Organisationen nahe gestellt sind >>, erklärt Trinkwalder. Wahrheitsgemäß müssen die Angaben sein, betont er. Anderenfalls könne man auch im Nachhinein eine Einbürgerung rückgängig machen. Die Mitarbeiter des Ausländeramtes müssen diesbezüglich aber noch sensibler mit ihren Klienten umgehen. Trinkwalder: << Man hat zwar Anhaltspunkte, wer verdächtig sein könnte, darf diese Menschen aber nicht sofort unter Generalverdacht stellen. >>

Sensibilität ist das Schlagwort schlechthin, wenn es um die Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 geht. Immer wieder fällt dieses Wort. Auch im Gespräch mit Oberst Richard Drexl, dem Kommandeur der Technischen Schule der Luftwaffe in Kaufbeuren.

Die Bundeswehr, sagt er, spüre die Folgen gleich mehrfach. Zum einen sei die Absicherung der eigenen Liegenschaften noch strenger geregelt. Zum anderen werden auch von Kaufbeuren aus immer wieder Soldaten zu Einsätzen ins Ausland, etwa nach Afghanistan, gesandt. Auch in den Ausbildungsplänen, so der Kommandeur weiter, haben militärische Elemente inzwischen eine stärkere Priorität.

Drexl: << Die Bundeswehr befindet sich seitdem in einer Phase der erhöhten Wachsamkeit. >> Auch in einer vergleichsweise kleineren Stadt wie Kaufbeuren.

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