Oberstaufen
Was Oberstaufen mit Hamburg verbindet

Es ist eine unsichtbare Verbindung, die zwischen den Oberstaufner Ortsteilen Sinswang, Steinebach und Schindelberg sowie der Hansestadt Hamburg besteht. Durch alle diese Orte verläuft nämlich der 10. Längengrad. Über ihn ist die Region auch mit Norwegen und der Sahara verbunden. Ein Hinweis darauf findet sich allerdings im gesamten Oberallgäu nicht.

London-Besucher wissen: Durch die britische Hauptstadt verläuft der Nullmeridian. Und wer die Sternwarte in Greenwich besucht, kann dort mit einem Fuß in der westlichen und mit dem anderen in der östlichen Hemisphäre stehen. Denn dort verläuft der von Menschen festgelegte Längengrad Nummer Null. Die Briten würdigen diese Tatsache mit einer Bronzetafel. Auch an anderen Orten rund um den Globus gibt es Hinweise auf das Koordinatensystem. Der Äquator als längster Breitengrad lässt sich in Mittelamerika und Afrika besuchen und wird meist touristisch vermarktet.

Für den 10. Längengrad hat sich in Oberstaufen bislang niemand interessiert. Die Stadt Northeim in Niedersachsen hat ihn immerhin mit weißem Pflasterstein in der Fußgängerzone markiert. Auf der Kennedybrücke in Hamburg ist der Hinweis auf den Verlauf des 10. Meridians in Stein gemeiselt. Und auf der Hamburger Shoppingmeile, der Mönckebergstraße, ist der Hinweis auf dem Fußboden vor einem Kaufhaus zu finden. Neu-Ulm schließlich hat auf dem Petrusplatz eine Markierung in den Boden eingelassen. Bürgermeister Walter Grath hörte schon vor einigen Jahren, dass Oberstaufen auf dieser von Menschen festgelegten Linie liegt: «Ich habe das aber nicht als etwas Besonderes wahrgenommen, daher haben wir es auch nirgendwo markiert», so der Rathauschef.

Auch kein Hinweis am «Paradies»

Gut 13 Kilometer durchquert der zehnte östliche Meridian das Oberallgäu und dabei ausschließlich das Gemeindegebiet von Oberstaufen. Südlich von Genhofen, das noch zu Stiefenhofen und damit zum Landkreis Lindau gehört, streift er das Sinswanger Moos, verläuft dann fast in Sichtweite des Kurhauses westlich der Ortsmitte von Oberstaufen. Nahe vom «Paradies» überquert der Längengrad die Bundesstraße 308 - ohne dass sich hier ein Hinweis auf die geografische Besonderheit findet. Gleiches gilt für das nahe Hotel Bergkristall in Willis - hier ist der unmittelbar vor dem Haus verlaufende Längengrad unbekannt und folglich auch nicht ins touristische Konzept aufgenommen worden. Südlich von Willis überquert der 10. Längengrad genau auf der Höhe von Steinebach den 10.

Längengrad - abermals ohne irgendeinen Hinweis. Kurz danach liegt erneut ein Hotel an der unsichtbaren Linie: das Hotel Schindelberg im gleichnamigen Ortsteil westlich von Steibis. «Das haben wir bis heute nicht gewusst», gibt Franz Weixler zu.

Im Naturpark thematisieren

Von hier an ist der 10. Längengrad in Deutschland mit dem Auto nicht mehr erreichbar. Wohl aber von Fußgängern. Sie treffen unter anderem auf ihn, wenn sie auf der Nagelfluhkette wandern. Nur wenige Meter neben dem Gipfel des Hochhäderich, durch den die Grenze zu Österreich verläuft, verlässt die unsichtbare Linie Deutschland.

Geschäftsführer Rolf Eberhardt vom Naturpark Nagelfluhkette weiß von der geografischen Besonderheit, doch einen Hinweis darauf gibt es auch innerhalb des Naturparks nicht. «Möglich, dass wir das im Rahmen des Alp-See-Hauses thematisieren», so Eberhardt. Dass der Naturpark über den 10. Längengrad mit Hamburg verbunden ist, lässt ihn scherzen: «Vielleicht ein Anlass für die Hansestadt, als Sponsor des Naturparks aufzutreten?»

Vom Hochhäderich führt der 10. Meridian durch Österreich und die Schweiz nach Italien, an Rom vorbei über das Mittelmeer nach Afrika. Und wie alle Längengrade quert er den Äquator, um schließlich am Südpol zu enden.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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