Begegnung
Was ist Pfingsten und was bedeutet das Kopftuch?

Der gleiche Gedanke spukte in den Köpfen von Muslimas und Katholikinnen: «Wir leben zusammen und wissen nichts Genaues voneinander.» Seit gut einem Jahr hat sich das verändert. Auf Initiative von Frauen, die der staatlichen Moschee in der Füssener Straße angehören, lernten sich an die 100 Frauen beider Religionen so gut kennen, dass sie miteinander reden, lachen und sich bei den Vornamen nennen.

Der Höhepunkt dieses Austausches: Beim Besuch von etwa 60 Frauen vom Katholischen Frauenbund in der Moschee überreichten die Muslimas den Gästen einen Koran in deutscher und arabischer Sprache. «Das war für uns ein Zeichen der Wertschätzung», bekräftigt Inge Martin. Nermin Arslan sieht in diesem Geschenk auch einen praktischen Nutzen: «Jetzt können unsere Freundinnen die Worte Mohammeds nachschlagen, wenn sie eine Frage haben.»

Das geschieht auch, versichert Claudia Keisinger. Zum Beispiel interessierte sie, warum die islamischen Frauen oft Kopftücher tragen.

Den langen Passus im Koran zu dieser Frage fasst Makbule Gulbahar kurz zusammen: «Die Frauen sollen ihre Reize den Ehemännern und vertrauten Angehörigen vorbehalten.» Claudia Keisinger interpretiert, was das Kopftuch signalisiert: «Der Unterschied ist wie bei Christen der zwischen streng Gläubigen und nicht streng Gläubigen - modernere Frauen tragen kein Kopftuch.» Das will Nermin Arslan nicht so stehen lassen: «Mit modern hat das nichts zu tun. Frauen, die kein Kopftuch tragen, sind in ihrem Glauben noch nicht so weit wie die anderen.» Inge Martin räumt ein, dass sie früher dachte, das Kopftuch soll die Frauen davon abhalten, andere Männer als den eigenen anzuschauen. Nermin Arslan reagiert mit Humor: «Dazu bräuchte sie kein Kopftuch, sondern Scheuklappen.»

Nicht nur beim Gespräch mit der AZ über die deutsch-islamischen Frauen-Freundschaften geht es darum, mit Unkenntnis und Vorurteilen aufzuräumen. Auch bei den Begegnungen zum Beispiel beim Frauenfrühstück der Katholikinnen am Aschermittwoch oder beim Adventsbasar stehen Fragen der verschiedenen Lebensweisen und Feste im Vordergrund: Warum und wie fasten die Angehörigen der beiden Religionen? Warum beschenken die Muslime am Opferfest die Nachbarn mit Fleisch? Warum gehen Christinnen in Exerzitien? Und was hat es eigentlich mit Pfingsten auf sich?

Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede werden erklärt und benannt, denn «nur was man kennt, kann man schätzen», sagt Inge Martin. Im Miteinander voneinander lernen - das führt zu Toleranz und Respekt, sind sich die Frauen einig. Keine Frage, dass weitere Begegnungen folgen werden.

Womöglich auch mit Männern, die sich nach den begeisterten Erzählungen ihrer Frauen schon benachteiligt fühlen

 

Sie sind Freundinnen geworden (von links): Claudia Keisinger, Nermin Arslan, Inge Martin, Havva Keyha und Makbule Gulbahar. Foto: Ralf Lienert

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen