Sommerserie
Warum mehr als 1000 Bauwerke im Unterallgäu unter Denkmalschutz stehen

Unsere Sommerserie «denkwürdig» beschäftigt sich mit Gebäuden im Landkreis Unterallgäu, die unter Denkmalschutz stehen. Wir wollen die Besonderheiten dieser Häuser, Kirchen und Schlösser ein wenig ins Licht rücken und zeigen, was die Besitzer damit vorhaben oder wie sie darin leben.

Nicht jedes schöne, ältere Schlösschen ist automatisch schützenswert und nicht jede alte Hütte muss und darf einfach so abgerissen werden. Doch was macht eigentlich ein Gebäude zum Denkmal? Alfons Blachowiak, Kreisbaumeister und Denkmalschutzexperte im Landratsamt Unterallgäu, klärt zunächst über einen häufigen Irrtum auf. Ein Denkmal muss nicht zwingend ein Gebäude sein. << Es gibt genauso gut Denkmäler, die sich im Boden befinden - beispielsweise Überreste von einstigen Siedlungen oder Wegen. >>

Zur Definition des Begriffs << Denkmal >> greift Blachowiak auf den Artikel 1 des deutschen Denkmalschutzgesetzes zurück: << Denkmäler sind von Menschen geschaffene Sachen oder Teile davon aus vergangener Zeit, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt.

>> Entscheidend ist das Urteil von Fachleuten des Landesamts für Denkmalpflege.

Bodendenkmäler befinden oder befanden sich im Boden und stammen meist aus vor- oder frühgeschichtlicher Zeit, erklärt Blachowiak. Im Unterallgäu gibt es etwa 100 davon. Dazu kommen 1150 Baudenkmäler. << Wir sind hier recht gut bestückt >>, sagt der Denkmalschützer zu dem überdurchschnittlichen Wert des Landkreises. Es gibt geschützte Kirchen, Kapellen, Villen, Bauern- und Bürgerhäuser. Das älteste bislang bekannte Denkmal stammt aus dem 15. Jahrhundert - es ist das Patrizierschloss Lerchenberg.

Doch wie wird ein Gebäude überhaupt zum Denkmal? Und wer bestimmt, was erhaltenswert ist und was nicht? Etwa einmal im Monat kommt ein Vertreter des Landesamts für Denkmalschutz in den Landkreis und schaut sich einzelne Objekte an. Dieser sogenannte Listenreferent ist ein Fachmann dafür, welche Dinge nun schützenswert sind oder nicht. Er geht auch Vorschlägen von Bürgern nach.

Erscheinungsbild, Putz, Stuck, Fenster, Dach, Bodenbeläge, Türen, Malereien: << Der Listenreferent prüft die ganze Fülle >>, sagt Blachowiak. Wenn viele Dinge davon erhaltenswert sind, sei es wahrscheinlich, dass das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wird. Es kann aber auch ein Detail sein - eine Einzelheit, die es wert ist, nicht verändert zu werden. Oder - im Gegenteil - mehrere Häuser gemeinsam. Beim << Ensembleschutz >> ist die städtebauliche Situation das, was bewahrt werden soll.

Das ist zum Beispiel in den historischen Teilen von Mindelheim, Türkheim, Kirchheim, Pfaffenhausen, Babenhausen, Fellheim oder Ottobeuren der Fall. Hier dürfen beispielsweise die Geschössigkeit oder die Dachlandschaft nicht verändert werden.

Mit Vorurteil aufgeräumt

Es müssen auch nicht immer offizielle Gebäude wie Kirchen oder Schlösser sein, die schützenswert sind. Auch alte Bauernhöfe seien ein Zeitzeugnis dafür, wie die Menschen damals gelebt haben, erklärt Blachowiak. Zum Schluss räumt der Denkmalschutzexperte noch mit einem weiteren Vorurteil auf: Ein Denkmal muss nicht zwingend steinalt sein. Zeitlich gesehen sei ein Denkmal nicht definiert. So ist beispielsweise auch das Gebäude, in dem sich die Sparkasse Mindelheim befindet, denkmalgeschützt, obwohl es << erst >> im Jahr 1958 gebaut wurde.

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