Warum der Winter kein Winter ist

Nesselwang (rea). Wo bleibt der Schnee? Millionenfach wurde diese Frage diesen Winter schon gestellt. Auch im Markt Nesselwang. Bisher war es dort so, dass spätestens zu den ersten Großveranstaltungen des Ski-Klubs Nesselwang eine Menge Schnee vom Himmel fiel. Und die wurden wohlweislich immer erst Ende Januar, Anfang Februar terminiert, auch in diesem Jahr. Doch heuer zweifelt selbst Vorsitzender Karl Schmid an diesem ungeschriebenen Gesetz. Beim SKN kann man nur hoffen, abwarten und verschieben.

Da tröstet auch das bisschen Schnee nicht, das für dieses Wochenende vorhergesagt wurde. Und da macht man sich als fast verzweifelter Ski-Chef schon mal auf die Suche nach Gründen. Karl Schmid wurde auf der nicht ganz ernst gemeinten Schiene fündig: 'Die Alpspitzbahn ist Ursache für den Schneemangel. Immer, wenn dort etwas gebaut wurde, waren die Winter im Anschluss keine Winter.' So war’s 1971, als der große Schlepplift gebaut wurde und nur einen einzigen Tag lang lief - danach gab es keinen Schnee mehr. So war’s 2002/2003, als die nagelneue Beschneiungsanlage nur ein paar Stunden betrieben werden konnte - danach war es viel zu warm. So scheint es auch in diesem Winter zu sein, da die neue Gondelbahn am schönsten Wintertag im Dezember eröffnet wurde, über Weihnachten so gut wie in jedem Winter lief - und seither ruht, weil ohne Schnee keiner da hinauf will.

Dafür liegt Schnee in Kalifornien

Alpspitzbahn-Geschäftsführer Franz Erhart lächelt ob dieser Spekulationen müde bis überhaupt nicht und kratzt seinen letzten Rest von Galgenhumor zusammen: 'Da könnte man sich vielleicht näher damit befassen, wenn es nur die enge Region rundherum betroffen hätte.' Aber der Nicht-Winter sei global, bis nach Skandinavien und in den Ural. In New York, ungefähr auf dem gleichen Breitengrad wie Nesselwang, sei es warm. In Kalifornien viel weiter südlich schneie es. An der Alpspitzbahn könne es also nicht liegen.

Während Karl Schmid neben Hoffen und Abwarten wenigstens beim Verschieben der Veranstaltungen aktiv werden kann, kann Franz Erhart überhaupt nicht reagieren, sondern muss es nehmen, wie es kommt. Da keiner kommt, um mit der Bahn zu fahren, steht sie still. Ein Alternativprogramm für Wintersport macht in seinen Augen keinen Sinn. Drei ganz tolle Winter lang habe man sich in Nesselwang ein touristisches Potenzial für Wintersport an der Alpspitze aufgebaut. Doch diese Gäste fahren jetzt in andere Regionen und kommen vielleicht später nie mehr wieder nach Nesselwang. 'Deshalb ist das eigentlich nichts zum Lachen.' Nachdem sein Büro aufgeräumt ist, nimmt er seinen Hut und geht …

… vielleicht zu Karl Schmid, um die Sache mit ihm auszudiskutieren. Denn Franz Erhart hat seine ganz eigene Ansicht zum nicht stattfindenden Winter. Er kennt alte Skifexe, die stapften schon in den 1930-er Jahren als Buben mit den nagelneuen Skiern durch die weihnachtliche Stube, weil draußen kein Schnee lag. Deshalb liegt der Nicht-Winter für ihn weder am Klimawandel noch an der Alpspitzbahn. Er liegt ganz einfach am Wetter. Und darüber redet man bekanntlich nicht nur in England oft und gerne.

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