Warnung vor Nazi-Parolen im Internet

Von Stefanie Heckel
| Kempten Reltih Floda nennt sich der Unbekannte, der im Internet über den «scheiß Staat» schimpft. Reltih Floda, rückwärts gelesen heißt das: Adolf Hitler. Und da ist Zed88, der im Netz plumpe Parolen zum Besten gibt und bei dem die Zahl 88 für «HH» («Heil Hitler») steht: Das weltweite Datennetz ist längst zum Tummelplatz für Rechte aus der ganzen Welt geworden - und auch für Extreme aus der Region.

Doch nicht immer sind die Rechten gleich zu enttarnen. «Die Botschaften sind in subtiler geworden», sagt Regina Liebhaber, Vorsitzende des Stadtjugendrings. Da geht es etwa um Codes, um Musikpropaganda, Filme auf Plattformen wie «Youtube» und um «verkleidete» Nazis, die mit ihren Palästinenser-Tüchern eher aussehen wie Mitglieder der linken Gegenbewegung.

Jugendliche immun machen

Um Jugendliche dagegen immun zu machen, hat der Stadtjugendring eine Broschüre aufgelegt. «Recht gegen Rechts» heißt das 48-seitige Heft, das an Schulen und bei Jugendorganisationen über die Methoden der Rechten aufklären soll. Ein Blick in die Polizeistatistik zeigt indessen: Ein großes Problem stellen die Rechten - strafrechtlich gesehen - in der Region nicht dar.

25 «Propaganda-Delikte» gab es im ersten Halbjahr 2008 im Gebiet des Kemptener Staatsschutzes, das das ganze Allgäu umfasst. «Das sind nur die Fälle, in denen es Ermittlungen gab», meint Alexander Haag, Geschäftsführer des Stadtjugendrings. Man müsse von einer viel höheren Dunkelziffer ausgehen.

Dazu kommt, dass man der Flut an rechten Gedanken im Netz nicht Herr werden könne. Unter anderem, weil die deutsche Justiz bei Seiten aus dem Ausland machtlos ist und weil die Botschaften in eine legale Verpackung gesteckt werden. Ein Beispiel ist für den Stadtjugendring die «Schulhof-CD» der NPD. Auch auf den Seiten des Oberallgäuer Kreisverbandes findet sich ein Link zum Herunterladen von Songs wie «Es ist Zeit zu rebellieren» und «Wille zum Sieg».

Die Lieder wenden sich an Jugendliche, sollen über die Schulhöfe in die Köpfe gelangen. Illegal, so erklärt Polizeisprecher Christian Owsinski, sind sie nicht.

Dass sich die Rechten des Internets bedienen, zeigt ein weiteres Beispiel: Am heutigen Samstag wollen sich schwäbische Rechte in Landsberg treffen - die Einladung gibt es per Internet auf den Rechner. So wie für eine «überparteiliche» Weihnachtsfeier «Deutschgesinnter» im Unterallgäu - laut Nazi-Gegnern in einem Lokal in Mindelheim. Auch das Werben von Mitgliedern findet im Netz statt. Erst vor wenigen Tagen, so verkündet es eine Seite, haben sich Allgäuer Rechte zu einer neuen Kameradschaft zusammengeschlossen. Die Mailadresse und eine Handynummer gibt es gleich dazu. Der Staatsschutz hat die Gruppierung aber schon im Visier.

«Es geht um 25 Personen, die allesamt bekannt sind und die wir im Auge behalten», versichert Polizeisprecher Owsinski.

Infos und Links auch unter www.stadtjugendring-kempten.de>

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