Special Holzpenis SPECIAL

Organisation will Tabus brechen
Vulva auf dem Kemptener Mariaberg: Kommt die Gegenbewegung zum Holz-Penis?

Auf dem Mariaberg bei Kempten hat die Organisation "Access All(gäu) Area" (AAA) eine Vulva-Skulptur aufgestellt.
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  • Auf dem Mariaberg bei Kempten hat die Organisation "Access All(gäu) Area" (AAA) eine Vulva-Skulptur aufgestellt.
  • Foto: "Access All(gäu) Area" (AAA)
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Auf dem Mariaberg bei Kempten hat die Organisation "Access All(gäu) Area" (AAA) eine Vulva-Skulptur aufgestellt. Mit der Aktion möchte die Organisation auf die Tabuisierung des weiblichen Geschlechtsteils innerhalb der Gesellschaft aufmerksam machen. Die AAA bezieht sich auch auf die Holzpenis-Aktionen im Allgäu und kritisiert, dass "der weiblichen Sexualität nicht ebenso selbstverständlich begegnet und sie mit Stolz hofiert" werde.

Die Holz-Penisse, die auf dem Grünten und bei Ebratshofen standen, waren wohl eher als humorvolle Aktionen zu verstehen. Die Vulva-Aktion von "Access All(gäu) Area" dagegen hat klar feministisch-ernsthafte Züge.

Das Statement auf der Instagram-Seite von "Access All(gäu) Area" im Wortlaut:

"DIE VULVA – Feminismus zwischen meinen Beinen

Es gibt so viele Wörter für das weibliche Geschlechtsteil*. Geht man in Google auf Synonym-Suche, finden sich allerlei Begrifflichkeiten; viele davon im allgemeinen Sprachgebrauch übelste Schimpfwörter. Fachjargon ist dabei nicht zwangsläufig wertschätzender: Schamlippen oder Schamhügel legen eine Assoziation mit etwas moralisch Verwerflichem nahe. Ein wertfreier Begriff für das weibliche Geschlecht ist wichtig, um die Sprachlosigkeit in Bezug auf das "untenrum" der Frau** zu überwinden und damit auch dessen Tabuisierung. Denn Sprache formt unser Bewusstsein und damit auch die Art und Weise, wie über die Vulva (nicht) kommuniziert wird.

Für uns von AAA geht es um weit mehr als nur das Organ. Es geht um weibliche Sexualität und Freiheit. Es geht darum, im Jahr 2021 endlich mit Scham und Verwirrungen aufzuräumen.

Groß und klein, rasiert oder behaart, in jeglicher Form und Farbe – sie alle sind schön, aber in unserer Gesellschaft tabuisiert oder mindestens sexualisiert.

Nicht nur ist die Vulva, respektive die Vagina, Ursprung unserer Menschheit, sie ist auch das Zentrum der weiblichen Lust. Gleichzeitig treibt es den Menschen in unserer Gesellschaft die Schamesröte ins Gesicht, wenn sie öffentlich zu sehen ist. Wir haben Hemmungen, über ihre Funktionen zu sprechen. Als wären die Worte etwas Anrüchiges, trägt die Tabuisierung zur Aufrechterhaltung der Unkenntnis bei. Manch eine Frau braucht Jahrzehnte, um eine Beziehung zu ihrer Vulva aufzubauen und sich zu trauen, diese im Spiegel ausgiebig zu betrachten.

Es wird verschämt über die Funktionen des weiblichen Körpers geschwiegen, gleichzeitig will man über ihn bestimmen.

Penisse sind dagegen im gesellschaftlichen Diskurs und Bild omnipräsent. Von Schmierereien an Toilettenwänden bis hin zur ultimativen Schwanzverlängerung in Form eines Holzphallus auf dem Gipfel des Grünten im Allgäu. Männer sprechen darüber, sind stolz darauf, vergleichen miteinander. Männlichkeit wird unverblümt an der Größe und der „Standhaftigkeit“ fest gemacht. Penetrierst du mit diesem Teil möglichst viele Frauen, bist du wohl ein echter Kerl – Heteronormativität sei Dank. Warum wird der weiblichen Sexualität nicht ebenso selbstverständlich begegnet und sie mit Stolz hofiert?

Jungen Frauen wird früh eingetrichtert, dass man schamvoll und heimlich mit der eigenen Periode umgehen soll. Ihnen wird nicht beigebracht, wie sie größtmögliche Lust empfinden können. Unterschwellig wird sogar vermittelt, dass die Vulva etwas Unästhetisches sei. Masturbation? Nur was für Penisse! Sex mit vielen Männern?! Das geht gar nicht, dann bist du eine Schlampe.

Die eigene Vulva zu lieben, ist ein Grundbaustein von Feminismus. Als Gesellschaft müssen wir daran arbeiten, dass jungen Menschen beigebracht wird, wie ihre Körper funktionieren, was Sexualität ausmacht und wie sie damit richtig umgehen. Es ist unser aller Aufgabe, aufzuklären und dafür zu sorgen, dass mit Doppelstandards aufgeräumt wird. Es ist unsere Aufgabe, Frauen und ihre Vulven zu feiern.

Mit dieser Aktion wollen wir auf unsere Organisation aufmerksam machen.
Alle Menschen sind herzlich eingeladen, sich uns anzuschließen, um jetzt und in Zukunft für die Rechte und Selbstbestimmung der Frauen, die Befreiung der Vulva, Gleichberechtigung aller Menschen, die Abschaffung des Patriarchats und noch so viele weitere Themen rund um die Menschlichkeit und Humanismus zu kämpfen. In diesem Sinne – Viva la Vulva

*von „weiblichen Geschlechtsteilen“ zu sprechen ist nicht ganz korrekt. Denn nicht alle Menschen mit Vulven sind Frauen, nicht alle Frauen haben Vulven und manche Menschen mit Vulva definieren sich weder als Frau noch als Mann.

**inklusive aller Personen mit Vulva" 

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