Rückblick
VR-Bank kauft Regina Filmpalast und lässt Gebäude abbrechen

Es gilt als klassisches Bauwerk der 1950er Jahre und war einst Filmpalast. Doch nun sind die Tage des «Regina» im Kaufbeurer Forettle gezählt. Schon diese Woche soll es der Abrissbirne zum Opfer fallen. Denn, so die neuen Eigentümer, das Gebäude sei einsturzgefährdet und dürfe gar nicht mehr betreten werden. Gekauft hat es die VR-Bank, um sich das angrenzende Grundstück zu sichern.

Konkrete Pläne dafür gibt es laut Vorstandssprecher Dr. Hermann Starnecker derzeit nicht. Gebaut wurde das «Regina» 1955 von Gustav und Robert Reutter. Baugleich entstanden laut Günter Sobeck, der den Filmpalast in den 1980er Jahren selbst eine Zeit lang betrieb, das «Regina» in Memmingen und der «Gloria-Palast» in München, der bis heute in Betrieb ist. Anfangs betrieb eine Frau das Kino. Es war in den 1950er Jahren laut Sobeck das modernste Kino in Kaufbeuren.

Die schon damals in Oberbeuren ansässige Firma Kinoton stattete es mit Philips-35-Millimeter-Filmprojektoren aus. Es hatte die größte Leinwand in der Stadt und eine Anlage mit Vier-Kanal-Stereo-Ton. Aufgrund der guten Ausstattung bekam es 1960 den inzwischen legendären und mit elf Oscars ausgezeichneten Monumentalstreifen «Ben Hur» zur Erstaufführung - also dem Bundesstart, erinnert sich Sobeck. Anfang der 1980er Jahre betrieb Karl Seitz aus Immenstadt den Filmpalast für zwei, drei Jahre.

«Das war mit 700 Sitzplätzen eine ganz andere Hausnummer als mein kleines Heimatkino in Immenstadt», erinnert er sich. Seine Höhepunkte waren die Filme «Das Boot» und «Wir Kinder vom Bahnhof Zoo». Er sei beeindruckt gewesen, wie viel Geld man mit so gut laufenden Streifen in einem so großen Kino verdienen könne, schmunzelt er heute noch. Allerdings lief das Geschäft nicht immer so gut und so wurden die Pacht, Personal- und Heizkosten bald zu hoch.

Seitz war froh, als schließlich Sobeck seinen Pachtvertrag übernahm.Aber er hat keine guten Erinnerungen daran, gesteht er. Denn in dem Ziegelbau ohne Isolierung sei es bitterkalt gewesen. Die Leute hätten immer gesagt, da könnte man Schweinehälften drin aufbewahren. In einem bitterkalten Winter in den 1980er Jahren sanken die Temperaturen dann auf minus 28 Grad. Die Umwälzpumpe fiel aus, alles fror ein. Sobeck hatte einen großen Schaden, prozessierte gegen den Eigentümer und verlor. «Das war sehr, sehr teuer», weiß Sobeck noch heute. Zu guter Letzt endete das «Regina» als Kneipe, bevor es leer stand und immer mehr verfiel.

Abschied genommen

Nun fällt es der Abrissbirne zum Opfer. Sobeck nahm dieser Tage sogar noch Abschied, wagte sich hinein, empfand aber keinerlei Wehmut, wie er sagt. «Wenn es in einem sehr guten Zustand wäre, könnte man es als Nostalgiekino wiederbeleben», meint er. Aber jetzt würde man zur Renovierung hunderttausende Euros benötigen und das rechne sich nicht.

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