Kempten
Vorurteile abbauen und Verständnis wecken

Christoph Langer fühlt sich sichtlich wohl in Kempten. Der 29-jährige Hauptmann sitzt entspannt in seinem Büro in der Kemptener Artilleriekaserne und scherzt am Telefon. Gerade bereitet er einen seiner Schulbesuche vor und macht deutlich, was dabei vor allem sein Auftrag ist: «Wir erklären jungen Menschen politische Vorgänge und Entscheidungen.»

Der Diplom-Sportwissenschaftler ist einer von 94 deutschen Jugendoffizieren und reist im Auftrag des Verteidigungsministeriums durch Schwaben. Der gebürtige Oberpfälzer ist der erste Jugendoffizier am Standort Kempten und betreut Schulen zwischen Lindau und Dillingen: «Pro Jahr habe ich rund 150 Einsätze mit Schulen.» Dabei versucht der 29-Jährige, aktuelle Sicherheitspolitik, deutsche Aufgabengebiete und die Bedeutung von Nato und Europäischer Union zu erklären. Demnächst ist er in einer zehnten Realschulkasse und will die Teenager mit dem Sicherheitsbegriff konfrontieren: «Ich mache deutlich, dass es nicht alltäglich ist, gefahrlos mit dem Bus zur Schule zu kommen.»

Häufig, sagt Langer, treffe er auf politische Unwissenheit bei den Schülern: «Dann machen wir in zwei Schulstunden ein Planspiel zu Politik und internationaler Sicherheit.» Sein Motto ist klar: Vorurteile abbauen, Verständnis wecken und Vertrauen gewinnen. Er versteht sich aber auch als Ansprechpartner für Politiker in Schwaben. Als ehemaliger Presse- und Besucheroffizier ist er es gewohnt, Kommunalpolitiker, aber auch Bundestagsabgeordnete in ihrem sicherheits- und verteidigungspolitischen Grundverständnis auf den aktuellen Stand zu bringen.

200 Krisenherde weltweit

Immer wieder wird er gefragt: «Warum sind deutsche Soldaten in Afghanistan?» Der Jugendoffizier kennt die Auslandseinsätze, war er doch vor drei Jahren selbst in Kundus stationiert. Weltweit, so Langer, gebe es an die 200 Krisenherde und laufend Terrorbotschaften: «Die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Münchner Oktoberfest haben den Schülern deutlich gezeigt, dass auch Deutschland gefährdet ist. Deshalb müssen wir Terrorismus bekämpfen.» Mit Telefon und Webcam stellt er im Klassenzimmer Verbindungen mit den Soldaten im Einsatzland her und schafft so einen persönlichen Bezug. Langer öffnet auch Türen und ermöglicht Schulklassen Besuche bei der Truppe.

Dem begeisterten Skifahrer macht der Umgang mit jungen Menschen sichtlich Spaß: «Ich will in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Bundeswehr hochhalten. Ich bin aber kein Laufbahnberater», unterstreicht er deutlich. Bis 2011 wird Langer mit Schülern diskutieren, angehende Lehrer politisch fortbilden und Stipendiaten nach Brüssel begleiten. Dann will er in die freie Wirtschaft wechseln: «Am liebsten zu einer Firma im Allgäu.»

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