Vorschlag für Lala-Aufsberg-Straße zurückgezogen

Kempten | bec | Eines vornweg: Am guten Ruf von Lala Aufsberg gibt es nichts zu rütteln. Auf einem Kemptener Straßenschild wird der Name der Sonthofener Fotografin dennoch vorerst nicht zu lesen sein. Bis zur Bauausschuss-Sitzung stand ihr Name zwar noch auf der Vorschlagsliste für eine Straße im Gewerbegebiet Bühl-Ost. In der Sitzung aber zog Stadträtin Ingrid Jähnig dann ihren Vorschlag zurück.

Sie habe, erklärte Jähnig eine E-Mail von einem Kemptener bekommen. Der hatte sich, nachdem er in der AZ von den Namensvorschlägen gelesen hatte, im Internet über Lala Aufsberg informiert. In der Internet-Enzyklopädie Wikipedia stieß er auf einen Satz, der ihn stutzig machte: Lala Aufsberg, hieß es da, dokumentierte die Reichsparteitage in Nürnberg. Und im Geschäftsbericht der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek sei gar von einem 'Führerauftrag' die Rede. Jähnig reagierte prompt, nahm den Namen Aufsberg von der Vorschlagsliste und bat die Verwaltung, das zu prüfen.

Das tat Museumsleiterin Ursula Winkler jetzt auch und recherchierte im 'umfangreichsten Aufsatz zur Biografie Lala Aufsbergs'. Geschrieben hat ihn die Kulturwissenschaftlerin Astrid Schwarz. Dort heiße es: 'Über ihre Einstellung zum Nationalsozialismus kann nur spekuliert werden. Sie war kein Parteimitglied [der NSDAP], soviel ist bekannt. Ihre damals entstandenen Fotografien entsprechen zwar dem Zeitgeist, lassen aber kein Sympathisieren mit der nationalsozialistischen Ideologie erkennen.'

Die Frage nach der NS-Nähe, so Winkler, müsse sich bei jeder Fotografin stellen, die in den 1930er und 1940er Jahren tätig war. Lala Aufsberg habe aber bei den Reichsparteitagen keine Herrscher-Porträts aufgenommen, sondern mehr technische Hintergründe aufgezeigt. Und weil sie Bombenangriffe dokumentierte, sei sie sogar in Hamburg verhaftet worden. 'Lala Aufsberg zählt zu den bekanntesten kunsthistorischen Dokumentarfotografinnen der Nachkriegszeit', resümiert Winkler. Sie sei 'sicherlich in keiner Weise für das NS-Regime aktiv' gewesen.

Und was wurde aus den Straßennamen? Für den Straßenstich am ehemaligen Kreisbauhof entschied sich der Ausschuss für Alfred-Kranzfelder-Straße. Jähnig war dagegen: 'Einen Widerstandskämpfer in diesen Kontext zu stopfen, ist würdelos.' Denn die Straßen daneben heißen 'Am Floßerhäusle', 'Beim Scharfrichter' und 'Auf der Breite'. Jähnig hatte 'Zu den sieben Häusern vorgeschlagen.'

Die Straße Auf dem Bühl heißt künftig Georg-Krug-Straße. Auch dagegen wendete sich Jähnig wegen der 'eklatanten Vernachlässigung von Frauennamen.' Für Erwin Hagenmaier völlig unverständlich. Keiner passe in den für Jähnig so wichtigen Kontext besser als Georg Krug. Auch wenn der, 'Entschuldigung bitte, nun mal keine Frau war'.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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