Vorbeugen, um an Schulen Schlimmes zu verhindern

von Johannes schlecker | Kempten In der aktuellen Debatte über Jugendgewalt wird auch der Ruf nach mehr Sozialarbeitern an bayerischen Schulen lauter. Die CSU hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2009 rund 350 Stellen neu zu schaffen (wir berichteten). An den Kemptener Schulen sind im vergangenen Jahr drei Teilzeitstellen eingerichtet worden. Seit März 2007 arbeitet Elisabeth Glückler an der Wittelsbacherschule. Als 'Bindeglied zwischen Schülern, Lehrern und auch Eltern', wie sie selbst sagt.

Mit einem Vorurteil will die 46-Jährige gleich zu Beginn aufräumen. 'Es entsteht immer der Eindruck, dass eine Schule große Probleme mit ihren Schülern hat, wenn ein Sozialarbeiter eingesetzt wird', erklärt Glückler. Doch eine 'Brennpunktschule' sei die Volksschule noch lange nicht. Denn die Beratung von auffälligen Schülern sei nur ein Teilaspekt ihrer Arbeit. Rangeleien auf dem Pausenhof oder im Schulbus, gibt Glückler zu, kommen auch an der Wittelsbacherschule hin und wieder vor: 'Meist lassen sich solche Probleme aber bereits in einem kurzen Gespräch lösen.'

Ihre Hauptaufgabe sieht Glückler darin, die Lehrer in ihrem Erziehungsauftrag zu unterstützen. 'Damit sie sich verstärkt auf ihre Arbeit im Unterricht konzentrieren können', fügt die 46-Jährige hinzu.

Ihr Büro im zweiten Stock soll aber eine neutrale Anlaufstelle für alle Betroffenen sein. Für den Lehrer zum Beispiel, wenn sie in dessen Auftrag mit dem Schüler spricht, wenn dieser oft müde in den Unterricht kommt oder häufig seine Hausaufgaben vergisst. Für die Eltern, denen sie bei Bedarf eine passende Beratungsstelle nennen kann. Aber auch für Schüler, die einfach nur reden möchten, hat sie stets ein offenes Ohr.

'Wichtig ist, dass sie sich ernst genommen fühlen', sagt Glückler. Ihr Vorteil: Nicht die Schule ist ihr Arbeitgeber, sondern das städtische Jugendamt. Ein Grund, glaubt sie, weshalb die Hemmschwelle niedriger ist, zu ihr zu kommen: 'Ich verteile keine Noten oder Verweise. Das wissen die Schüler.'

Oft geht es in den Gesprächen aber auch um Probleme, die nichts unmittelbar mit dem Schulalltag zu tun haben. 'Neulich sind zwei Schülerinnen zu mir gekommen, die einfach nur wissen wollten, wie viel Taschengeld ihnen eigentlich zusteht', sagt Glückler.

Für Schulleiter Alfons Keisinger ist die 46-Jährige gar nicht mehr wegzudenken: 'Sie nimmt uns mit ihrer Rolle als Vermittler sehr viel Arbeit ab.' Der Einsatz eines Sozialarbeiters sei nicht erst dann wichtig, wenn die Schule bereits massive Probleme mit ihren Schülern hat. 'Die Arbeit soll vorbeugen, damit es erst gar nicht zu schlimmen Vorfällen kommt, sagt Keisinger.

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