Sonthofen / Oberallgäu
Vor dem Lokführer taucht urplötzlich Auto im Gleisbett auf

Die 120 Fahrgäste des Zuges von Augsburg nach Lindau werden es nicht vergessen haben. Dem Lokführer dürfte es vermutlich lebenslang vor Augen stehen. 25 Meter hinterm geschlossenen Bahnübergang bei Immenstadt-Thanners taucht zwischen dem Schotterbett der zweigleisigen Strecke ein unbeleuchtetes Auto auf. «Das kann doch nicht wahr sein», schreit der Lokführer noch. Dann haut er alle Bremsen des 100 Stundenkilometer schnellen Zuges rein. Die Lok schlitzt das Auto auf und reißt die geöffnete Tür weg. Jetzt hat das Amtsgericht Sonthofen den juristischen Schlussstrich unter das Ereignis vom Januar gezogen.

Angesichts der Vorstellungskraft, was alles Schlimmes hätte passieren können, ging der Vorfall selbst glimpflich aus. Bis auf ein paar Schrammen bei der im Pkw sitzengebliebenen gehbehinderten 88-jährigen Beifahrerin kamen alle Beteiligten unbeschadet davon: die mittlerweile 85 Jahre alte ausgestiegene Fahrerin ebenso wie der Lokführer und die Fahrgäste. Wegen eines fahrlässig herbeigeführten gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr wurde die vor Gericht rüstig und resolut wirkende Unfallverursacherin zu einer Geldstrafe von knapp 4000 Euro (70 Tagessätze) verurteilt. Der Führerschein ist für weitere 15 Monate weg.

Die Autofahrerin hatte am Bahnübergang der B 19 nicht die Straßenkurve genommen, sondern war auf dem Schotter des Gleiskörpers weitergerattert, bis der Wagen mit Totalschaden liegenblieb.

Wenn die verwitwete und alleinstehende Oberallgäuerin den vorausgegangenen Strafbefehl akzeptiert hätte, wäre sie mit einer geringeren Geldstrafe davongekommen. Doch ihr und ihrer Verteidigerin ging es in der auf ihren Einspruch folgenden öffentlichen Verhandlung darum, den Führerschein zu behalten. «Das ist bitter ohne Auto», versuchte sie Richter Andy Kögl begreiflich zu machen.

Zwischen die Bahngleise sei sie nur geraten, weil ihr Wagen an diesem von Schneeregen begleiteten Tag gerutscht sei. Zudem suchte die Verteidigerin mit ärztlichen Attesten zu belegen, dass die bisher nie in der Verkehrssünderkartei registrierte Pkw-Lenkerin fahrtüchtig sei. Allenfalls sei es zu einer undurchdachten Reaktion gekommen, ergänzte die Anwältin.

Doch weder der Staatsanwalt noch der Richter nahmen der älteren Dame die Schilderung des Hergangs ab. «Sie sind von der Straße falsch ins Gleisbett abgebogen», fasste Richter Kögl die Beiweisaufnahme und die Zeugenaussagen zusammen.

«Sie haben sich als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen erwiesen», hielt er in seiner Urteilsbegründung überdies fest. Noch kann die ältere Dame gegen das Urteil in Berufung gehen.

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