Allgäu
von Wilhelm Tell

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Scheidegg Mit einem dumpfen «Plopp» bohrt sich der kleine Aluminiumpfeil nach fünf Metern Flug mit seiner Stahlspitze ins Holz hinter der roten Papierzielscheibe. Zwar knapp an den Ringen vorbei, aber Burkhard Sartor hat heute schließlich zum ersten Mal eine Armbrust in der Hand. Langsam nimmt der Schütze das etwa zwei Kilogramm schwere Sportgerät von der Schulter und lässt es von Johannes Hieble neu spannen. Eine Probescheibe und fünf Wertungsschüsse hat Sartor pro Schießdurchgang zur Verfügung, um sich in die Bestenliste der Armbrustschützen beim Bürgerschießen der Schützengesellschaft Scheidegg einzutragen. «Das wird schon noch - auf jeden Fall macht es einen Riesenspaß mit einer Armbrust zu schießen», äußert sich der Scheidegger begeistert.

Teilnehmer fahren zweigleisig

Bürgerschießen in Scheidegg - das bedeutet regen Andrang im Schützenhaus, das im ehemaligen Lokschuppen untergebracht ist. Andreas Ruhm, 1. Schützenmeister und Vereinsvorsitzender, spricht von etwa 300 Schützen, die jedes Jahr am Bürgerschießen teilnehmen. Voriges Jahr boten die Scheidegger erstmals auch das Armbrustschießen an und stießen dabei auf starkes Interesse. «Rund 100 Schützen, also ein Drittel aller Teilnehmer am Bürgerschießen, schossen nicht nur mit dem Luftgewehr, sondern probierten auch eine Armbrust aus. Die enorme Nachfrage hat uns sehr überrascht», so der Schützenmeister, der heuer von einer weiter steigenden Tendenz ausgeht.

Viele Teilnehmer am Bürgerschießen fahren dabei zweigleisig: Sie schießen sowohl mit den traditionellen Luftdruckwaffen, als auch mit der Armbrust. So auch Urlaubsgast Wolfgang Schießl aus München, der ebenfalls zu ersten Mal eine Armbrust im Schießstand abfeuert: «Der Spaßfaktor, vor allem in der Gruppe, ist ungleich größer als beim Luftgewehr. Ich würde das sofort wieder machen.» Treffsicherheit ist jedenfalls für alle Teilnehmer Pflicht. Schließlich winkt als erster Preis eine vom 2. Schützenmeister Werner Hölzler handgemachte Kinderarmbrust.

«Ein ganz einfaches Gerät»

Spannen, anlegen, anvisieren, abfeuern: Schießen wie anno dazumal Wilhelm Tell - der Reiz der Armbrust liegt in ihrer Einfachheit und Unkompliziertheit, glaubt Jugendbetreuer Johannes Hieble: «Es ist ein ganz einfaches Gerät; keine komplizierten Teile, keine komplizierte Mechanik, keine komplizierte Handhabung.»

Gerade deswegen würden die Scheidegger Schützen beim jährlichen Marktfest gerne einen mobilen Armbrustschießstand aufbauen. Doch die Vorgaben von Seiten des Landratsamtes mit einer abschließenden Standabnahme sind derart hoch und teuer, dass sich laut Andreas Ruhm ein solcher Betrieb - trotz enormen Bürgerinteresses - «einfach nicht rechnet.» Also bleibt den Bürgerschützen weiterhin nur der Weg ins Schützenhaus, um wenigstens einmal im Jahr in die Fußstapfen von Wilhelm Tell treten zu können.

Schießzeiten Gelegenheit zum Bürgerschießen besteht noch am heutigen Dienstag von 18 bis 22 Uhr, sowie am morgigen Mittwoch von 10 bis 14 Uhr.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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