Waal
Von «subventionierter Unvernunft» und Chancen

Emil Enzensberger aus Stötten am Auerberg ist aktiver Biobauer mit 22 Kühen und 40 Milchziegen. Das sollte reichen im Vollerwerb, meint er. «Kiesgruben und Bauplätze» hat er nicht. Von seinem Betrieb lebte er in den vergangenen 20 Jahren «gut». Doch in der Diskussionsrunde zum Thema «Die Krise - Chancen für einen Neuanfang» in der Waaler Molkerei gab er sich nachdenklich.

Enzensberger wäre zufrieden, wenn «man uns leben» ließe, er sei nämlich gerne Bauer. Doch die «Großen» würden ihn kaputt machen, sagte er. Diejenigen, die «den Hals nicht voll kriegen» und viel Milch «überliefern». Chancen habe er schon viele gehabt. Jetzt versucht er es mit «Ziegenkäs». Das Patentrezept für ihn wäre, «wenn der Verbraucher 30 Prozent seiner Lebensmittel direkt beim Bauern einkaufen würde, das stärkt uns kleine Bauern», sagte er. Damit brachte es der Biobauer auf den Punkt, wo es momentan in der Landwirtschaft krankt.

Auch Engelbert Vogler vom BdM sprach von einem «krankhaften Wachsen am Markt vorbei», bezahlt vom Steuerzahler. Ökologisch und ökonomisch eine Katastrophe, meinte er. Wir bräuchten einen kompletten Neuanfang und eine Mengenregulierung in Europa. Die Größe einer Molkerei sage gar nichts über deren Rentabilität aus.

Die Kleinen könnten regional agieren und Nischen besetzen. Insofern begrüße er es, wenn der Waaler Molkerei-Eigner Felix Bartholl nach dem Motto «Lasst die Käserei im Dorf» irgendwann wieder Käse im kleinen Stil produzieren will.

Nicht auf die Einsicht warten

Auch Maria Heubuch (Landesvorsitzende des AbL) sprach sich für einen Systemwechsel aus. Die Bauern seien keine gleichberechtigten Marktteilnehmer und die Politik nehme ihnen immer wieder weg, was sie sich hart erarbeitet hätten. Sie sprach offen von einer «subventionierten Unvernunft». Man könne nicht warten, bis die «Einsicht» komme bezüglich der Milchquoten-Überlieferung. Alle müssten in der Wertschöpfungskette leben können.

Christine Räder (Bio-Ring Allgäu) sprach gar davon, dass man eine «agrarpolitische Revolution» brauche. Kleinbäuerliche Strukturen seien wichtig, denn kurze Wege schonen die Umwelt, meinte sie. Regionalität müsse wieder wichtig sein.

Auch Dieter Janecek (Landesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen) sprach sich für Nachhaltigkeit und Wertschöpfung in der Region aus, forderte sogar eine «entschleunigte Arbeitswelt». Es müsse Schluss mit «Masse statt Klasse» sein.

Auch die rund 40 Zuhörer meldeten sich zu Wort. Von einer «Umerziehung der Verbraucher» war hier die Rede bis zur Forderung, dass man insbesondere an den Schulen den Umgang mit Grundnahrungsmitteln wieder lernen müsse. Hinterfragt wurde auch, ob es Sinn macht, importiertes Soja an hochgezüchtete Tiere zu verfüttern.

Ein Verbraucher vermisste wie beim Wein differenzierte regionale Milchangebote, beispielsweise von verschiedenen Rassen. Hier zeigte wieder Biobauer Enzensberger, was Regionalität heißt: Der Kunde könne gerne speziell die Milch von seiner Kuh «Paula» haben.

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