Marktoberdorf
Von Schnupfnasen, kalten Füßen und warmem Tee

Lautes Stimmengewirr und Kinderlachen füllt den Pfarrsaal von St. Martin. Überall wuseln kleine Gestalten in bunten, langen Umhängen auf der Suche nach Handschuhen, Mützen oder Sternen wild durcheinander. Es ist kurz nach 13 Uhr - für die 45 Kinder und Jugendliche ist die Mittagspause vorbei und sie machen sich fertig, um auch nachmittags wieder als Sternsinger von Haus zu Haus zu ziehen.

«Vergesst die Kreide und Eure Kassen nicht. Und packt Euch warm ein! Draußen ist es noch immer bitterkalt.» Mitten im Gewusel steht Kaplan Reinfried Rimmel, der die Sternsingeraktion der Pfarreien St. Martin und St. Magnus organisiert und seine Schützlinge in den Pausen versorgt. Gerade eben gab es Spaghetti mit Tomatensauce - ideal zum Aufwärmen, denn an einem langen Sternsinger-Arbeitstag von neun bis 17 Uhr und Temperaturen um minus acht Grad Celsius werden die vielen Füße schnell mal kalt.

Mit Stirnband und Strumpfhose

Umso mehr freuen sich die kleinen Jungen und Mädchen, wenn sie bei ihren Besuchen nicht draußen in der Kälte stehen müssen, sondern auf eine Tasse warmen Tees hereingebeten werden.

In neun Gruppen ziehen die jungen Ministranten durch die Straßen und besuchen innerhalb von nur drei Tagen das gesamte Stadtgebiet - da bleibt wenig Zeit für kalte Füße. Darum also heißt es: Warm einpacken.

Auch für Bettina, Leonard und Franz-Josef gehören warme Handschuhe, Stirnband, Mütze, Strumpfhose und Winterjacke zur festen Ausrüstung unter ihrem Sternsingergewand. Heute sind sie den zweiten Tag unterwegs, um als Caspar, Melchior und Balthasar den Segen in die Häuser zu bringen. Und auch wenn sie nicht überall auf offene Türen stoßen - die große Mehrzahl der Menschen freut sich über ihren Besuch.

Ob die Freude einer jungen Mutter, die schnell noch ihr Kleinkind weckt oder der Opa, der den Königen stolz seine neue Krippenfigur präsentiert, es gibt viele schöne Erlebnisse, die die Kinder und ihre Begleiter für ihr Engagement belohnt. «Es macht uns einfach Spaß, anderen Kindern zu helfen», betonen Aaron Sepp und Lukas Högelmeier. Beide gehören mit ihren neun Jahren zu den jüngsten Sternsingern der Pfarreiengemeinschaft.

Weltweit sammeln junge Mädchen und Jungen jedes Jahr in der Zeit zwischen Neujahr und Dreikönig Geld für Kinder in ärmeren Ländern und machen die Sternsingeraktion damit zu einer der größten Aktionen von Kindern für Kinder. Allein im vergangenen Jahr zogen bundesweit rund eine halbe Million Sternsinger durch die Straßen.

Langsam wird es dunkel und Bettina, Leonhard und Franz-Josef sind mittlerweile zwei Stunden unterwegs. Doch auch wenn ihre Finger langsam taub und die Füße kalt sind, sind sich alle drei sicher: Auch im kommenden Jahr werden sie als Sternsinger erneut den Segen in die Häuser tragen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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