Von Schneebrett 400 Meter in die Tiefe gerissen

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Von Christine Rothauscher | Kempten/Kleinwalsertal Es war ein Traumtag, jener 4. Januar 2008: Fantastische Fernsicht und ein strahlend blauer Himmel. Doch für Günter Ehlers wurde dieser 4. Januar zum Alptraum-Tag. Eine Skitour endete für den 63-jährigen Kemptener nach einem Lawinenunglück auf der Intensivstation.

Im Flur des schmucken Familienhauses hängt ein buntes Papierherz: 'Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Geburtstag' steht darauf. Günter Ehlers, dem diese Gratulation gilt, sitzt am Wohnzimmertisch und blättert in einem Bündel Fotos, die vom 4. Januar erzählen: Eine Gruppe Skitourengeher, die einem Berggipfel zustrebt, ist darauf zu sehen. 'Da waren wir von Baad im Kleinwalsertal zum Gipfel der 2100 Meter hohen Güntlespitze unterwegs', erzählt der Kemptener. Und dann kommt ein Leuchten in die Augen des 63-Jährigen, als er von der fantastischen Fernsicht unter tiefblauem Himmel schwärmt und wie sich alle 'auf eine tolle Abfahrt' ins Tal gefreut hätten.

Ein Lawinenunglück habe sich bis dahin niemand aus der neunköpfigen Gruppe vorstellen können. Denn am Vortag sei die in einem Fachbuch als 'normale Route' beschriebene Tour ausgewählt, am Morgen des 4. Januar Wettervorhersagen verglichen worden. 'Lawinenwarnstufe zwei' sei da gemeldet worden. 'Also nichts Sensationelles', weiß Ehlers, der seit rund drei Jahrzehnten als Skitourengeher in den Alpen unterwegs ist.

An diesem Januartag waren auch seine Ehefrau Rita, der erwachsene Nachwuchs und einige Freunde mit von der Partie, alle mit Lawinen-Suchgerät, Sonde und Schaufel ausgestattet. Aber, auch das weiß der Berggänger, 'man ist in der Natur unterwegs, es bleibt ein Restrisiko'.

Und dann muss Günter Ehlers tief durchatmen, bevor er weitererzählt: wie plötzlich ein Sturm aufkam, wie sich Triebschnee ansammelte und er von einem Schneebrett 400 Meter in die Tiefe mitgerissen wurde. 'Man kämpft gegen diese Naturgewalten und hat doch keine Chance.'

Keine Chance, aber umso mehr Glück hatte der Schulbeamte im Vorruhestand: Erstens wurde er Minuten später vom Lawinensuchgerät eines Kameraden geortet und konnte so schnell befreit werden. Die Bergretter flogen ihn außerdem rasch in die Klinik, wo ihm die Ärzte elf gebrochene Rippen, eine gequetschte Lunge und zahlreiche Blutergüsse diagnostizierten.

Und wie geht es Günter Ehlers heute? 'Geheilt bin ich noch lange nicht', sagt er. Aber er hofft, dass er sich künftig nicht mit der 'Kanapee-Nordwand' begnügen muss. Auf jeden Fall will er jährlich am 4. Januar 'zweiten' Geburtstag feiern.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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